»Bitte – nein, nicht meine Frau, meine Schwester Auguste – dies meine Schwester Lise – Elise wollt' ich sagen – dort meine Nichte Henriette – mit wem hab' ich die Ehre?«

»Mein Name ist Rottack, und wenn ich mich hier in eine Familienangelegenheit dränge – denn ich darf wohl annehmen, daß Ihnen das Fräulein hier schon die Ursache meines Besuches mitgetheilt hat – so mag mich das entschuldigen, daß ich es in bester Absicht und in der Hoffnung thue, einen günstigen Erfolg für beide Theile zu erzielen.«

»Aber wollen Sie sich nicht setzen, Herr Graf?« rief Fräulein Bassini und schritt nach dem Fenster zu, um dort einen leeren Stuhl zu holen.

»Pardon, mein gnädiges Fräulein!« rief Rottack und sprang ihr zuvor, während Pfeffer ein sauer-komisches Gesicht bei dem Worte »gnädiges« zog, den Moment aber auch benutzte, zur Thür hinaus zu fahren – »Sie erlauben mir wohl...«

Er hatte den Stuhl erfaßt, als sein Blick auf die Arbeit Henriettens fiel, die neben ihrem Arbeitstisch in ängstlicher Spannung aufgestanden war.

»Ah, mein liebes Fräulein, wie reizend und geschmackvoll Sie arbeiten! Die Blumen könnten wahrhaftig eben so gut in Paris gemacht sein – der Kranz ist prachtvoll!«

»Sie sind zu gütig, Herr – Graf,« flüsterte Henriette beschämt und tief erröthend – »ich habe sehr rasch daran arbeiten müssen.«

»Wirklich vortrefflich,« fuhr Rottack fort, den Schmuck aufnehmend und gegen das Licht haltend.

»Nicht wahr, Jettchen arbeitet hübsch?« sagte Fräulein Bassini, die ebenfalls zum Tisch getreten war und sich in dem Lobe der Nichte mit geschmeichelt fühlte – »ja, das macht ihr Keine hier nach – und so rasch, Sie glauben es gar nicht!«

»Dürfte ich da Ihre Zeit wohl auch einmal in Anspruch nehmen, mein liebes Fräulein,« sagte der junge Mann, »und Sie um einen Kranz von diesen Veilchen und solchen Maiblumen bitten? Ich weiß, daß ich große Freude damit anrichten würde.«