»Hier muß es irgendwo sein, dies ist wenigstens die Straße, und – holla, sehen Sie wohl, Sie hatten Recht – da brennt meine orangefarbene Schwägerin eben hinein – ich kenne sie an der Haartour – glücklicher Weise hat sie uns nicht gesehen.«
»Gut, dann will ich ihr wenigstens Zeit lassen, das Eis zu brechen,« lächelte Rottack; »kommen Sie, wir wollen erst noch einmal die Straße hinab und wieder zurück gehen, und nachher besuche ich Ihre Verwandten.«
»Und ich laufe unterdessen hier Spießruthen.«
»Das fällt zu sehr auf. Dort drüben ist ein Bierlocal, gehen Sie da hinein und setzen Sie sich an's Fenster, daß Sie die Thür im Auge behalten.«
»Das ist recht,« sagte Jeremias, mit Allem einverstanden, was ihm nur das erste Bahnbrechen seines schweren Schrittes ersparte, und als sie Fräulein Bassini hinlänglich Zeit gelassen zu haben glaubten, ihre Neuigkeit anzubringen, und zu dem Eingang des Hauses zurückkehrten, trat Graf Rottack seinen nicht eben leichten Gang an. Jeremias aber, dem erlassenen Rath zufolge, postirte sich an das innere Fenster des benachbarten Wirthshauses und trank in Gedanken und Herzensangst ein Glas Bier nach dem andern.
Der junge Graf stieg indessen langsam die Treppe hinauf. Unten im Hause hatte er schon erfahren, daß Herr Pfeffer im zweiten Stock wohne, und wie er dort oben den Vorsaal erreichte, wußte er augenblicklich, wohin er sich zu wenden habe, als er das überraschte Gesicht und die orangefarbene Gestalt der Dame in der freilich gleich wieder zugeschlagenen Thür entdeckte.
Rottack war aber nicht der Mann, um schüchtern eine Einladung abzuwarten. Er ging ohne Weiteres auf die Thür zu, klopfte an und öffnete dieselbe auf das laute, etwas barsche »Herein!« Pfeffer's. Dieser hatte nämlich keine Zeit gehabt, in sein Zimmer zu gehen und den alten Schlafrock auszuziehen, da er vorher erst den Vorsaal hätte passiren müssen, und drückte sich nun, als der Fremde eintrat, vorsichtig an der Wand hin, um diesen Fehler so rasch als möglich zu verbessern. Der Schlafrock war wirklich in gar zu desolaten Umständen.
»Ich habe das Vergnügen, mit Herrn Pfeffer zu sprechen? Ah, mein Fräulein, ich hatte schon vorher die Ehre...«
»Ja, mein Herr,« sagte Pfeffer, der sich hier keine Blöße geben durfte, »mein Name ist Pfeffer – Fürchtegott Pfeffer.«
»Und Ihre Frau Gemahlin? – Bitte, bleiben Sie liegen, Madame, ich möchte um Alles in der Welt Sie nicht derangiren, und muß so schon um Verzeihung bitten, so ohne Weiteres eingetreten zu sein!«