»Jettchen!« rief die Frau.

»Meine liebe, liebe Mutter!« rief Henriette, flog an ihre Seite und kniete vor ihr am Sopha nieder.

»Beruhigen Sie sich, verehrte Frau,« sagte Rottack herzlich, »ich habe Ihnen eine recht gute Mittheilung zu machen. So erfahren Sie denn vor allen Dingen, daß ich Ihre Familienverhältnisse genau kenne und sogar persönlich befreundet mit ihrem geschiedenen Manne bin...«

»Und er lebt?« sagte die Frau zitternd.

»Er lebt,« nickte Rottack freundlich, »und hat nicht allein seine frühere übereilte Handlung tief und aufrichtig bereut, sondern auch Alles gethan, was in seinen Kräften steht, um sie, so weit es irgend möglich ist, wieder gut zu machen.«

»Und so lange Jahre habe ich nichts von ihm gehört – hat er nicht ein einziges Mal nach seinem Kind gefragt?«

»Meine liebe, gute Mutter, rege Dich nur nicht auf!«

»Aber wo ist er?« fragte die Frau – »wird er nie wieder nach Deutschland zurückkommen?«

»Würden Sie ihm verzeihen, wenn er wiederkehrte?«

»Was kann ich ihm verzeihen,« sagte die Frau traurig – »wir waren Beide damals jung und unerfahren, trugen Beide wohl vielleicht gleichviel Schuld – ich – hatte mir nur nie gedacht, daß er mich so ganz vergessen könnte.«