Handor und George gingen wohl noch eine Viertelstunde im Park auf und ab, um das Nöthige über Proben und Eintheilung zu besprechen; dann kehrte der Erstere auf dem breiten Fahrweg in die Stadt zurück.
Als George wieder in's Schloß kam und nach Paula fragte, berichtete das Kammermädchen, die Comtesse habe sich in ihr Zimmer zurückgezogen und sei zu Bett gegangen.
12.
Das Wiedersehen.
Das war eine schwere Nacht für Jeremias gewesen, eine ruhelosere wenigstens, wie er seit langen, langen Jahren gehabt, und rastlos warf er sich auf seinem Lager umher, bis sich der Himmel schon wieder im Osten zu färben begann und er jetzt erst in einen kurzen, traumgequälten Schlaf fiel. Aber sonderbarer Weise hatte der Traum nicht die mindeste Beziehung auf das, was ihn den ganzen Tag beschäftigt und seine Seele erfüllt hatte. – Er war wieder in Brasilien und Nordamerika, und alle fatalen Lagen, in denen er sich je in seinem Leben befunden, spiegelten sich ihm mit tollen, verzerrten Bildern vor seinem innern Geiste ab, bis er endlich mit einem lauten Aufschrei in seinem Bette emporfuhr und dadurch den armen Hausknecht, der gerade gekommen war, um seine Kleider zum Reinigen abzuholen, bis zum Tod erschreckte.
»Herr Du meine Güte,« sagte der Mann, indem er ordentlich zusammenfuhr, »was schreien Sie denn nur so; es thut Ihnen ja Niemand 'was – nur die Kleider will ich auskloppen!«
»Guten Morgen!« sagte Jeremias, der sich verdutzt und noch immer halb im Schlaf umsah – »wie viel Uhr ist's denn?«
»Sieben Uhr vorbei – Sie haben wohl geträumt?«
»Ja, ein bischen,« gestand Jeremias, der sich jetzt vor dem Hausknecht schämte und nur verstohlen unter sein Kopfkissen griff, ob seine Brieftasche noch da wäre. Dann legte er sich wieder auf die andere Seite, als ob er noch einmal schlafen wolle. Aber er schlief nicht mehr; jetzt wäre es ihm nicht möglich gewesen, und um acht Uhr stand er auf, trank seinen Kaffee und lief dann mit schnellen Schritten in seinem etwas langen, aber schmalen Zimmer auf und ab.
So schnell er aber auch lief, so langsam verging ihm trotzdem die Zeit; hundertmal sah er nach der Uhr und hielt diese dann an's Ohr, weil er glaubte, sie müsse stehen geblieben sein, so wenig wollte der Zeiger von der Stelle.
Endlich, endlich war es halb zehn Uhr und er begann sich anzukleiden, was ihm aber auch nicht viel Minuten wegnahm, und noch fehlten zehn Minuten an der bestimmten Zeit, als er schon in Sicht des Hauses war, dem er aber noch nicht zu nahen wagte.