»Nun, versteht sich doch von selbst; werde ich das nicht genau wissen! Am nächsten Freitag Morgen mit dem Zehn-Uhr-Zug. Dann ist großer Empfang – militärisch natürlich – Alles in Uniform, wo, zwischen all' den goldenen Epauletten und Ordenssternen, der Bürgermeister, als Vertreter der Stadt, allein im Frack wie ein schwarzes Schaf in der Heerde herumläuft. Mittags Diner auf dem Rathhaus, Abends Festvorstellung im Theater – »Hamlet« auf speciellen Wunsch – nach dem Theater Fackelzug und dann Kneiperei bis zum nächsten Morgen, wozwischen ein geplagter Redacteur dann auch noch seine Correspondenzen schreiben soll.«
»Hm, merkwürdig,« sagte Handor, der die letzten Worte gar nicht gehört zu haben schien.
»Merkwürdig? – was ist merkwürdig?«
»Oh, nichts, es fiel mir nur ein, wie so Vieles manchmal auf Einen Tag zusammentrifft.«
»Ja, er bleibt auch nur zwei Tage in Haßburg, und am zweiten Tag ist großer bal paré, mit der ganzen haute volée geladen. Wunderbares Leben doch, das so ein Prinz führt! Bei Jove, ich glaube, ich habe auch eine gute Natur, aber wenn ich nur eine einzige Woche so durchschwiemeln sollte, ging ich wahrhaftig drauf!«
»Lieber Doctor,« sagte Handor gleichgültig, »wenn sich ein solcher Prinz derartigen »Genüssen«, die für ihn Alltäglichkeiten sind, mit einer solchen Leidenschaftlichkeit hingeben wollte, wie Sie gewöhnlich dabei entwickeln, so hielt er's auch nicht aus. Aber, was ich Sie schon immer einmal fragen wollte: von wem haben Sie eigentlich die beiden Lorbeerkränze, welche da über Ihrem Schreibtisch hängen?«
»Oh,« sagte Feodor bescheiden, »sie sind nur von Damen.«
»Nur von Damen?«
»Ja; in unserem literarischen Club feiern wir manchmal geistige olympische Spiele...«
»In Ihrem Vergötterungsverein,« lachte Handor, »wo Ihr Euch gegenseitig anbetet und hinter dem Rücken dann auf einander schimpft.«