»Nein, gehen vom Theater! Sie passen nicht dazu! Sie haben nicht den rechten, genialen Wurf, es fehlt Ihnen – mit Einem Worte, Sie sind kein Schauspieler!«
»Wenn Sie nur so freundlich sein wollten, das Alles ein klein wenig leiser zu sagen, mein lieber Herr Mauser,« bemerkte Rebe, dem es aber doch wie ein eisiges Gefühl durch's Herz schoß – »hier nebenan wohnt ein junger Mann, den Sie doch nicht in das Geheimniß gezogen haben wollen?«
»Geheimniß? Verdammt wenig Geheimniß ist dabei, Rebe!« schrie Mauser – »die ganze Stadt weiß es! Aber Sie wissen auch, daß ich nicht leiser sprechen kann – ich muß schreien, wenn ich nicht in dem verfluchten Kasten sitze, und dort sitz' ich lange genug, das weiß der Himmel, Morgens vier, fünf Stunden, und Abends beinah' eben so viel!«
»Dann wollen wir lieber einen kleinen Spaziergang machen.«
»Dank' Ihnen – jetzt will ich erst essen gehen und nachher schlaf' ich – bin auch nur heraufgeklettert, um Ihnen das zu sagen. Glauben Sie mir, Rebe, ich meine es gut mit Ihnen, Sie passen nicht in die Lumperei – Sie sind ein anständiger Kerl, aber ein anständiger Kerl ist noch immer kein erster Liebhaber, und der werden Sie im ganzen Leben nicht.«
»Ich danke Ihnen, Herr Mauser,« sagte Rebe kalt, denn er fing an sich über den Menschen zu ärgern, »ich werde mir die Sache überlegen.«
»Ja, das kennen wir schon,« brummte der Souffleur – »überlegen, das heißt, es noch eine Weile so hingehen lassen und dann doch thun, was Sie freut – Alte Geschichte! Aber meinetwegen – wer nicht hören will, muß fühlen, und das seh' ich jetzt schon; Sie geben keine Ruh', bis Sie einmal eine größere Rolle irgendwo kriegen und dann richtig von der Bühne heruntergepfiffen werden – nachher ist Friede.«
»Sie urtheilen sehr hart.«
»Ich bin weiter nichts als Souffleur, aber ich kenne den Schwindel, Herr Rebe – ich kenne den Schwindel, mir brauchen Sie kein X für ein U zu machen, und ich habe schon Manchem auf den richtigen Weg geholfen – das ist mein Geschäft.«
»Aber Sie werden mir doch zugestehen, daß eine wahre und aufopfernde Liebe zur Sache...«