»Papperlapapp, reden Sie mir nicht von Aufopferung und Liebe!« rief der Souffleur – »Sand in die Augen, das ist der Schwindel – mit einem Ohr unten im Kasten drin, und doch immer dabei thun, als ob man keine Ahnung hätte, daß überhaupt ein Souffleur auf der Welt wäre – Liebe zur Sache! Fragen Sie einmal Pfeffer! – Apropos, Sie wissen doch, daß der Mann von Pfeffer's Schwester, der dicke Stelzhammer, steinreich von Brasilien zurückgekehrt ist und die Jette jetzt einen Grafen heirathet?«
»Einen Grafen?«
»Gewiß – der Alte hat ihn sich besonders zu dem Zweck mitgebracht. Waren auch bei mir und haben mir einen Besuch gemacht und den ganzen Schwindel erzählt – das ist ein Glück, was das Mädel macht!«
»Aber das ist ja gar nicht möglich!«
»Möglich? Sagen Sie mir einmal, was auf dieser verrückten Welt nicht möglich ist – ich weiß nichts. Aber ich habe schon zu lange mit Ihnen geschwatzt – Donnerwetter, fünf Minuten nach Zwölf – meine Suppe wird kalt! Also folgen Sie meinem Rath, Rebe – überlassen Sie das Mimen anderen Leuten, die es besser verstehen und die den Pfiff weghaben – am besten, Sie gehen gleich unter die Millionäre; sollte aber da keine Stelle offen sein, na dann irgend ein ehrliches Handwerk, lieber ein Tapezierer oder ein Riemer, wie ein schlechter Schauspieler. Sie sind noch jung, Sie können noch Alles lernen, und daß ich Ihr Freund bin, können Sie daraus sehen, daß ich Ihnen die Wahrheit sage. 'Morgen, Herr Rebe!« und seinen Hut aufgreifend und sich dabei an die Taschen fühlend, ob er auch nichts vergessen hätte, verließ er das Zimmer und stolperte die etwas dunkle und steile Treppe wieder hinab.
Rebe war empört über das rücksichtslose Benehmen des Menschen, und wer weiß, ob er zu jeder andern Zeit die hochnasige Unverschämtheit desselben so ruhig hingenommen hätte. Jetzt war er gebrochen, und wie der Mann kaum die Thür hinter sich zugeworfen, sank er auf einen Stuhl, deckte sein Antlitz mit der Hand und saß dort still und regungslos eine lange, lange Zeit – er wußte gar nicht, wie lange; er vergaß die Zeit und sein eigenes Mittagessen, und nur das Eine Gefühl lebte und arbeitete in ihm: das Gefühl seines Elends, seines Unglücks.
Und wieder wurden draußen Schritte laut – es mußte jemand Fremdes sein, denn sie gingen herüber und hinüber. Rebe horchte auf – links von ihm, an einer verschlossenen Bodenkammerthür, wurde angeklopft. Er stand auf und ging zur Thür, die er öffnete, denn der kleine Vorsaal war sehr dunkel.
»Ist Jemand da?«
»Sie entschuldigen, wohnt hier Herr Rebe?«
»Das bin ich selber – bitte, treten Sie näher.«