»Ich störe doch nicht?«

»Nein – mit wem hab' ich die Ehre?«

»Ich muß mich selber vorstellen, bester Herr,« lächelte der kleine Fremde etwas verlegen, »und – und komme auch nur im – im Interesse einer uns Beiden befreundeten Familie. Mein Name ist Jeremias Stelzhammer.«

»Herr Stelzhammer?« rief Rebe und fühlte, wie ihm in dem Augenblick das Blut in einem wahren Strom in's Antlitz schoß – »von – von Brasilien – aber wollen Sie nicht Platz nehmen?«

»Bitte – ja,« sagte Jeremias, der überhaupt nicht recht wußte, wie er beginnen sollte. »Sie – Sie kennen mich also und haben von mir gehört?«

»Ja, mein Herr, ich – erfuhr, daß Hen –, daß Fräulein Henriettens Vater nach langer Abwesenheit zurückgekehrt sei, und – habe mich herzlich darüber gefreut.«

»Danke Ihnen,« sagte Jeremias und saß wieder fest. Er hatte etwas auf dem Herzen, aber er konnte das rechte Ende nicht gleich finden, um es abzuwickeln, und sah sich verlegen im Zimmer um – und, lieber Gott, wie ärmlich sah es in dem Zimmer aus – und doch wie nett und sauber!

»Und was verschafft mir die Ehre?« sagte Rebe endlich nach einer Pause.

»Ja, sehen Sie,« sagte Jeremias, also gewaltsam auf das gebracht, was ihn heute Morgen hiehergeführt, »das ist eigentlich eine ganz curiose Geschichte, und ich müßte vielleicht ein Stück Weges dazu ausholen – vielleicht geht's aber auch so, wenn wir gleich mitten hineinspringen. Eigentlich wollte ich um die Sache nur so hinten herumkommen – wissen Sie, so im Gespräch – aber Ihr Gesicht gefällt mir, Herr Rebe, und ich glaube, ich kann mit Ihnen gleich von der Leber wegreden...«

»Sie würden mich dadurch sehr verbinden,« sagte Rebe, dem es bei der langen Vorrede ganz unheimlich wurde. Was hatte der Mann nun wieder? Bis jetzt bekümmerte sich Niemand um ihn, und heute gab Einer dem Andern die Thür in die Hand – war das ein neuer Freund, wie der Souffleur?