Jeremias mochte aber wohl fühlen, daß er den jungen Mann in Verlegenheit brachte, wenn er noch länger zurückhielt, und fuhr deshalb, jetzt wirklich mitten in den fraglichen Punkt hineinspringend, nur im Anfang noch ein wenig stotternd, fort:
»Sehen Sie, Herr Rebe, ich bin Henriettens Vater und – möchte das Kind gern glücklich wissen, was Sie begreifen werden – und nun hat mir Pfeffer, mein Schwager, die ganze Geschichte gestern Abend erzählt, und nun möchte ich Sie bitten...«
»Daß ich Herrn Pfeffer's Haus nicht wieder betreten möge, nicht wahr, Herr Stelzhammer?« sagte Rebe bitter – »aber seien Sie unbesorgt, es hätte deshalb Ihres Besuches nicht bedurft, denn ich fühle selber, daß ich jetzt, hier aus meiner Stellung selbst geschoben und kaum im Stande, mich allein am Leben zu erhalten, nicht das Recht habe, das Geschick eines andern, mir theuren Wesens an das meine zu fesseln. Fürchten Sie nicht, daß ich Ihnen wieder lästig fallen werde, wie es mein Schicksal zu sein scheint, wohin ich komme. Sowie mein Contract mit diesem Monat abgelaufen ist, verlasse ich Haßburg, und ich glaube kaum, daß Sie dann je wieder von mir hören werden.«
»Sehen Sie,« sagte Jeremias, der ihm indessen schweigend und kopfschüttelnd zugehört, »jetzt gehen Sie durch, gerade wie ein scheu gewordenes Pferd, und immer nach der verkehrten Richtung. Seh' ich denn aus wie ein so schrecklicher Tyranski Absolutski, der nur eben die Nase nach Deutschland hineinsteckt und dann auch gleich sein Kind, um das er sich die langen Jahre nicht gekümmert, unglücklich machen will? Lassen Sie uns vernünftig mit einander reden, Herr Rebe, und ich glaube, ich habe einen Ausweg für Sie gefunden, oder – wir können doch wenigstens erst einmal sehen, ob wir keinen finden.«
»Ich weiß nicht, was Sie meinen...«
»Ja, wenn ich aufrichtig sein will, weiß ich es eigentlich selber noch nicht recht,« sagte Jeremias, sich hinter dem rechten Ohr kratzend, »denn ich – ich möchte Ihnen doch nicht gern wehe thun, und – und sehe auch keinen andern Weg, als...«
»Bitte, geniren Sie sich nicht,« lachte Rebe bitter – »weshalb sollen Sie gerade der einzige Mensch in der Welt sein, der Rücksichten auf mich nimmt?«
»Jetzt gehen Sie wieder durch,« nickte Jeremias, »aber es kann nichts helfen – so kommen wir nicht zu Ende. So will ich Ihnen denn sagen, was ich mit meinem Schwager Pfeffer besprochen habe – Jettchen weiß natürlich kein Wort davon –, und nachher wollen wir hören, was Ihre Meinung von der Sache ist.«
»Ich bin in der That begierig!«
»Pfeffer meint,« fuhr Jeremias fort, »daß Sie beim Theater außerordentlich wenig Aussichten hätten, es je zu etwas Vernünftigem zu bringen, und daß es schade um Sie wäre, wenn Sie Ihre Kräfte dabei vergeudeten.«