»Das ist sehr liebenswürdig von Herrn Pfeffer...«
»Glauben Sie nicht, daß er etwas auf Sie hat!« rief Jeremias rasch – »er meint es wahrhaftig gut mit Ihnen und sprach nur Gutes von Ihnen, und daß Sie sonst ein braver und anständiger Mensch wären!«
»Sonst?«
»Ja, – nur zum Theater taugten Sie nicht – Sie – Sie wären zu... – Hurrjeh,« unterbrach sich Jeremias, »es ist eine ganz verfluchte Geschichte, wenn man es mit Jemandem gut meint und soll ihm dann Grobheiten sagen, aber es geht ja nicht anders, und wenn Jemand einem Andern einen kranken Zahn ausziehen soll, so muß er ihm auch wehe thun, und man weiß doch dabei, daß es eben nicht anders angeht! Wenn Sie das nur wenigstens auch wüßten!«
»Bis jetzt,« sagte Rebe kalt, »habe ich nur aus Ihren Reden ersehen, daß Sie, auf Herrn Pfeffer's Urtheil hin, mir den guten Rath geben wollen, einer Laufbahn zu entsagen, die bis zu diesem Augenblick mein ganzes und einziges Lebensglück ausgemacht hat. Wovon ich nachher leben soll, darüber wird Herr Pfeffer wohl selber im Unklaren sein, ganz abgesehen davon, ob ich überhaupt nachher noch leben könnte.«
»Aber das ist es gerade, weshalb ich hergekommen bin!« rief Jeremias rasch. »Glauben Sie denn, ich wollte mich blos unangenehm bei Ihnen machen, um Ihnen etwas zu sagen, was Sie doch wahrhaftig nicht erfreuen kann?«
»Es ist mir wenigstens lieb, daß Sie das selber einsehen,« sagte Rebe ruhig, »und ich bin Ihnen dankbar für Ihren guten Willen – mit was kann ich Ihnen sonst noch dienen?«
»Na ja, nun werfen Sie mich lieber gleich 'naus!« sagte Jeremias in komischer Verzweiflung. »Aber so hören Sie mich doch nur an. Das Theater kann Ihnen wahrhaftig nicht so an's Herz gewachsen sein, daß Sie gar kein anderes Leben für möglich halten! Du lieber Gott, was treibt man nicht Alles, um ordentlich und ehrlich durchzukommen, und wenn ich Ihnen Alles erzählen könnte, was ich schon gewesen bin, Sie würden sich wundern, so viel kann ich Ihnen sagen! – Aber jetzt geht es mir gut,« fuhr er entschlossen fort, ehe Rebe ein Wort zu erwidern vermochte; »ich habe mir etwas erspart und nur den einzigen Wunsch, die Menschen glücklich und zufrieden zu sehen, die ich – die ich – um die ich mich eigentlich hätte ein bischen früher bekümmern sollen. Jettchen aber ist ein liebes, herzensgutes Kind, dem ich Alles zu Gefallen thun könnte, und – wenn sie auch noch nicht recht mit der Sprache herausgerückt ist, so habe ich doch so viel gemerkt, daß sie Ihnen gut ist und nicht das Geringste dagegen würde einzuwenden haben, wenn Sie im Stande wären, um sie anzuhalten.«
»Aber?« sagte Rebe, während er sich Mühe geben mußte, seine Fassung zu bewahren, »ich muß Sie um den noch fehlenden Nachsatz bitten!«
»Aber,« fuhr Jeremias entschlossen fort, »das sind Sie jetzt noch nicht und hätten, allem Anschein nach, auch noch für die nächste, vielleicht für eine sehr lange Zeit keine Aussicht dazu, und da – möchte ich Ihnen helfen.«