»Sie, Herr Stelzhammer?« rief Rebe erstaunt – »und wie können Sie mir helfen? Glauben Sie, daß ich je im Stande wäre, mich von meiner Frau ernähren zu lassen?«

»Wenn ich das glaubte,« sagte Jeremias trocken, »so wäre ich gar nicht zu Ihnen gekommen. Nein, ich wollte einmal mit Ihnen sprechen, ob Sie vielleicht doch nicht auf einen andern Weg zu bringen wären, und muß Sie deshalb vorher – mir, als Jettchen's Vater, dürfen Sie das nicht übel nehmen – auf das Gewissen fragen: Lieben Sie das Mädel wirklich recht von Herzen, und würden Sie dieselbe, eben wenn Sie Ihr Brod hätten, zur Frau nehmen?«

»Herr Stelzhammer,« sagte Rebe bewegt, indem er ihm die Hand entgegenstreckte, »vorher, und ehe ich Ihre Frage beantworte, muß ich Ihnen ein Unrecht abbitten, das ich gegen Sie verübt!«

»Gegen mich?«

»Ja – denn ich hielt Sie, als Sie dies Zimmer betraten, – und auch noch eine Zeit lang nachher – für einen jener wohlmeinenden Freunde, die ihre Freundschaft nur darin suchen, sich ein Recht heraus zu nehmen, grob zu sein, Sie sehen, ich bin aufrichtig...«

»Bitte, geniren Sie sich nicht,« sagte Jeremias.

»Ich bitte Sie deshalb um Verzeihung,« fuhr Rebe herzlich fort, indem er die Hand des kleinen Mannes, die er noch immer in der seinen hielt, derb schüttelte – »ich habe Ihnen unrecht gethan, denn ich fühle, daß Sie es wirklich gut mit mir und Henrietten meinen!«

»Sollte so denken,« nickte der kleine Mann; »ich wußte, daß Sie dahinter kommen würden, wenn wir nur erst eine Weile beisammen wären.«

»Dann aber nehmen Sie die Versicherung,« fuhr Rebe fort, »daß ich Ihre Tochter viel zu aufrichtig und wahr liebe, um mein Unglück eine Ursache sein zu lassen, auch das ihrige herbeizuführen. Ich trete jetzt hinaus in die Welt – mit geringen Hoffnungen, es ist wahr – aber auch mit dem festen, männlichen Willen, mir mein Leben zu erkämpfen, wie es Tausende vor mir gethan haben. Geh' ich dabei unter, nun, dann ist nur ein doch werthloses Dasein weniger. – Gelingt es mir aber – und trotz allem Mißgeschick flüstert eine Stimme in mir noch immer: »Es wird!« – dann, mein lieber Herr, hoffe ich Ihnen zu beweisen, mit wie heißer Liebe ich an Henrietten hange und – daß ich ihrer Werth bin!«

»Mein lieber Herr,« sagte Jeremias, auf seinem Stuhl herumrückend, »das ist Alles recht schön und gut, daß Ihr abgebrannt seid, wie jener Pfarrer meinte, aber es bringt uns keinen Schritt weiter in der Sache, denn wenn Jettchen Sie wirklich lieb hat, so glauben Sie doch sicherlich nicht, daß Sie ihr einen Gefallen thun, wenn Sie, wie Sie es nennen, untergehen, so ehrenvoll das auch an sich sein mag.«