»Aber was kann ich thun?«

»Sie haben studirt, nicht wahr?«

»Ja...«

»Das ist eben der Teufel,« meinte Jeremias, sich wieder hinter dem Ohr kratzend, »daß mit den studirten Leuten am allerwenigsten anzufangen ist! Sie verstehen Griechisch und Lateinisch und Alles, was sie im Leben nicht gebrauchen können, aus dem Grunde; will man aber 'was Praktisches mit ihnen anfangen, so hapert's an allen Ecken. Was in dem Amerika nur allein für eine Menge studirter Menschen herumhungern und ihrem Gott dankten, wenn sie in ihrer Jugend ein Handwerk gelernt hätten, ist ganz unglaublich! Aber lassen Sie nur gut sein,« unterbrach er sich rasch, als er merkte, daß Rebe etwas erwidern wollte; »vielleicht finden wir doch noch etwas, und dann sollen Sie sehen, daß ich es wirklich gut mit Ihnen meine, junger Mann, und Ihnen beistehen werde wie ein wahrer Freund – wir müssen nur erst auf den rechten Punkt kommen.«

»Aber was soll sich finden, bester Herr – ein Engagement...«

»Reden wir nicht mehr davon,« sagte Jeremias gutmüthig; »wenn Sie nicht auf's Theater passen, hilft Ihnen auch ein Engagement nichts, und die Zeit, die Sie dort auf's Neue verbringen, ist eben einfach auf den Kopf geschlagen. Wir fangen 'was Anderes an – mir gehen eine Menge Pläne durch den Kopf, und Sie sollen einmal sehen, in Zeit von vier Wochen habe ich Sie da so hineingearbeitet, daß Sie selber Ihre Lust und Freude daran finden werden.«

»Herr Stelzhammer,« sagte Rebe freundlich, aber auch fest und bestimmt, »die Zeit nur, die Sie hier mit mir vergeuden, ist verloren, denn mich ziehen Sie nicht aus der vorgezeichneten Bahn.«

»Aber, mein bester Herr!«

»Bitte, lassen Sie nun auch mich reden. Ich kenne Herrn Pfeffer genau; ich weiß, daß er von Herzen ein guter und sonst braver und ehrlicher Mensch ist, aber er hat eine verbissene Natur und sucht besonders etwas darin, auf das Theater zu schimpfen. Wenn man ihn reden hört, so sollte man glauben, er wäre bei jeder neuen Rolle der unglückseligste Mensch, so raisonnirt er und mit solcher Unlust geht er jedesmal daran, sie zu lernen; aber nehmen Sie ihm einmal eine oder fordern Sie ihn einmal auf, vom Theater zu gehen, so hören Sie, was er Ihnen sagt.«

»Pfeffer? – Lieber heute, als morgen.«