Der Brief war kurz und lautete:
»Mein lieber Herr Handor! Es ist eigentlich vollkommen gegen meine Grundsätze, irgend einem Mitglied zweimal im Monat Vorschuß oder sogar die erst zum Ersten fällige Gage voraus zu zahlen. Ich will dieses Mal eine Ausnahme machen, da der Erste ja bald ist, und um Sie auch bei guter Laune zu erhalten. Ich hoffe, Sie werden das anerkennen.
Ihr ergebenster Krüger, Director.«
Noch während er las und ein leichtes, spöttisches Lächeln über seine Züge blitzte, klopfte es stark an die Thür. Fast unwillkürlich nahm er das Paket Banknoten, schob sie in die Tasche und rief dann: »Herein!«
Der Anklopfende ließ sich nicht lange bitten.
»Guten Abend, Herr Handor! Das freut mich ja sehr, daß ich Sie endlich einmal zu Hause treffe – ich bin heute schon viermal da gewesen und immer umsonst!«
»Ah, Meister Seilitz,« sagte Handor, der seine Augen mit der Hand gegen das Licht schützen mußte, um ihn zu erkennen – wenn er ihn nicht schon an der Stimme erkannt hatte, denn er schien eben nicht angenehm überrascht von der Entdeckung, – »und was verschafft mir die Ehre Ihres fünfmaligen Besuches?«
»Ja, mein bester Herr Handor, Sie wissen ja wohl – die Rechnung. Dem Fabrikanten muß ich vierteljährlich seine Tuche bezahlen, die Gesellen wöchentlich, und ich bin nicht mehr im Stande, die Auslagen zu bestreiten, wenn mich meine Kunden so im Stich lassen. Ich möchte Sie dringend bitten, mir wenigstens einen Theil meiner Rechnung abzubezahlen!«
»Mein guter Herr Seilitz,« sagte Handor lächelnd, »Sie wissen aber doch, daß ein Schauspieler nie vor dem Ersten Geld hat, und mit dem besten Willen wär' ich jetzt nicht im Stande –«
»Aber Sie erinnern sich doch, Herr Handor, daß ich Ihnen das letzte Jahr hindurch regelmäßig am Ersten meine Aufwartung gemacht habe, und der Himmel weiß, wie es kommt, ich konnte nie den günstigen Moment treffen, denn einmal kam ich eine Stunde zu früh und das andere Mal eine Stunde zu spät – aber es war immer nichts.«