»Bitte, springen Sie einmal hin, Sulzer – ich lasse sie um Gottes willen bitten, sich ein wenig zu beeilen! – Peters, ist er noch nicht da?«
»Nein, Herr Director, und jetzt kommt er auch nicht mehr.«
»Du giebst mir einen Dolchstich!« citirte Sulzer im Abgehen, um die Tänzerin in Gang zu bringen.
Die junge Dame war auch in der That ausnahmsweise früh gekommen, aber natürlich mit ihrer Toilette noch nicht fertig. Die Conversation wurde durch das Schlüsselloch geführt – sie erklärte, vor dem Beginn des Stückes nicht fertig werden zu können, und kein Mensch werde von ihr verlangen, daß sie wie eine »Schlumpe« (der Name war für eine Italienerin außerordentlich deutsch) an einem solchen Abend auf den Brettern erscheine.
»Na ja, das fehlte auch noch, daß sich die auf die Hinterbeine setzt!« rief Krüger wüthend und sprang selber nach der Garderobe.
»Aber dafür ist sie doch engagirt,« lachte Pfeffer, der als Todtengräber hinten mit Hilgen als Horatio auf und ab ging und sich über die Verzweiflung seines Directors und das Ausbleiben des einen Prinzen, während der andere jeden Augenblick eintreffen konnte, auf das Köstlichste zu amüsiren schien.
»Das wird ein Hauptskandal werden, wenn Handor nicht kommt,« meinte Hilgen; »so 'was ist noch gar nicht da gewesen – ich begreife den Menschen nicht; er weiß doch, was davon abhängt.«
»Nur immer zu,« lachte Pfeffer, sich vergnügt die Hände reibend; »ich freue mich wie ein Kind auf die Geschichte. Da ist doch endlich einmal eine Abwechselung in dem verdammten Theaterleben!«
»Lassen Sie das den Alten hören...«
»Bah, ich spiele meine Rolle und damit Basta – meine Ansichten sind mein eigen – und dem eingebildeten Laffen, dem Handor, gönne ich ebenso den Rüffel, den er kriegen wird, und den Strafabzug – vielleicht werden wir ihn ganz los damit, denn er ist doch weiter nichts, als ein erbärmlicher Coulissenreißer.«