Indessen klopfte der Director an Fräulein Bellachini's Thür und bat mit den höflichsten Worten, »wenn irgend möglich«, um Einlaß.
Drinnen fand noch eine kurze Debatte statt, dann wurde der Riegel zurückgeschoben, und Director Krüger sah sich der fast schon vollständig costümirten gefeierten Tänzerin gegenüber, während ihre Begleiterin oder Ehrendame oder Kammerjungfer eine Anzahl abgeworfener Stücke Damengarderobe rasch zusammen- und in die Ecke schob.
Der Director zeigte sich aber hier nicht wüthend, sondern war die Liebenswürdigkeit selber, und mit dem Hut in der Hand bat er die junge, wunderhübsche und deshalb auch natürlich gerade wundercapriciöse Tänzerin, ihn aus seiner grimmigsten Noth zu erretten und – ihre Toilette ein wenig zu beeilen. Sie sei jetzt schon so zauberschön – wie er in seiner Todesangst hinzusetzte, – daß sie eigentlich gar nichts mehr verbessern, sondern wieder zerstören könne, und sie möge doch ein klein wenig Erbarmen mit dem jungen Prinzen haben, der sicher nicht geahnt hätte, daß er nach Haßburg gekommen wäre, um hier rettungslos sein Herz zu verlieren.
Fräulein Bellachini sträubte sich erst und berief sich auf ihr Engagement und den Zettel. Krüger gab Alles zu; er war um den Finger zu wickeln. Dann wollte sie Bedingungen machen; er ergab sich auf Gnade und Ungnade. Endlich schien sie gerührt zu werden, und dem Director zuckte es wie ein elektrischer Schlag durch die Glieder, denn draußen begann in diesem Augenblick als Ouverture zum Hamlet, Beethoven's Trauermarsch.
Der Prinz war angekommen und der Hamlet fehlte noch immer.
»Wenn Sie ein Fünkchen von Erbarmen haben, so helfen Sie mir wenigstens aus der größten Noth!« rief er in Todesangst – »denken Sie, daß der Hamlet beginnen soll und daß ich keinen Hamlet habe – die ganze Vorstellung ist ruinirt!«
»Aber was geht das mich an? Ich tanze nur in den Zwischenacten...«
»Aber, zuckersüße Terpsichore,« rief Krüger mit einem Gesicht, als ob er sie hätte vergiften können, »sehen Sie denn nicht ein, daß wir ohne Hamlet auch keine Zwischenacte haben können? Das Stück ist ja aus, ehe es angefangen hat, und ich muß hinaus und das Publikum bitten, mir die Ehre an einem andern Abend zu schenken!«
»Keine Zwischenacte?«
»Natürlich nicht.«