Den Brief verbrannte er augenblicklich, dann ging er wohl eine halbe Stunde mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf und ab. Das Ob kam nicht mehr in Frage, nur das Wie, und darüber brütete er jetzt. Daß er ein Wesen elend gemacht, zu dem er wie zu einer Heiligen hätte aufschauen sollen, trübte nicht einen seiner Gedanken. Sie war jetzt sein, und nur mit Umsicht mußten die Schritte geschehen, eine Vereitelung ihrer Flucht zu vermeiden, und dann, wenn er sich in Sicherheit wußte, den alten Starrkopf von Vater zu beugen – oder zu brechen – es galt ihm ziemlich gleich. – –
Der Abend dämmerte; im Schloß des Grafen Monford waren alle nöthigen Vorbereitungen getroffen, und die Gäste konnten jetzt jeden Augenblick eintreffen. Die Gräfin selber stand schon fertig angezogen unten im Empfangssaal, von dem aus links eine Reihe prachtvoller Zimmer lag, deren Flügelthüren alle weit offen standen, während sich rechts der große Salon befand, in dem gewöhnlich gespeist wurde.
Paula war noch nicht da, und ihre Mutter ging ein paar Mal auf und ab. Endlich betrat Mademoiselle Beautemps das Zimmer.
»Ist meine Tochter noch nicht fertig?«
»Ich bedauere, Ihnen nichts Bestimmtes darüber sagen zu können, Frau Gräfin,« bemerkte die Französin achselzuckend; »die Comtesse hat sich so vollständig von mir losgesagt, daß ich nicht einmal mehr ihr Boudoir betreten darf. Ich hatte mir auch vorgenommen, Sie zu bitten, mich, obgleich meine Verpflichtung eigentlich noch einige Monate länger dauert, schon morgen zu entlassen, da ich sehe, daß ich hier nicht allein vollkommen nutzlos, sondern auch ein – Gegenstand steigender Unzufriedenheit bin. Sie werden selber begreifen, daß unter solchen Verhältnissen meine Stellung keine angenehme sein kann.«
»Liebe Beautemps, Sie sehen die Sachen mit zu schwarzen Farben.«
»Ich sehe sie leider, wie sie wirklich sind, und die gnädige Gräfin würden mich – und ich glaube, auch die Comtesse – sehr verpflichten, wenn Sie meiner Bitte Gehör schenken wollten.«
»Nun gut, ich werde mit dem Grafen Monford darüber sprechen.«
»Dann erlauben Sie mir noch, Frau Gräfin, Sie auf eine Entdeckung aufmerksam zu machen, zu der mich heute der Zufall brachte; sie betrifft die Comtesse.«
»Eine Entdeckung?«