»Rebe den Hamlet – na, wenn das gut geht!« stöhnte er, gleich dem Director – »was ist denn da vorgefallen und dem unseligen, verzweifelten Menschen in den Kopf gestiegen? Wenn er sich da blamirt – und natürlich wird er –, ist er für immer verloren!« – Jeremias wäre auch jetzt mit Vergnügen fortgegangen, denn er glaubte zu ahnen, was geschehen würde, und mochte das Elend nicht mit ansehen; aber es war unmöglich. Er saß gerade in der Mitte im Parquet, und die Sitze waren so eng, daß die ganze eine Reihe hätte aufstehen müssen, um ihn hinaus zu lassen, und was für Aufsehen würde das mitten im Act erregt haben! Er mußte schon bleiben, wo er war, und geduldig still halten. Was auch geschah, er konnte es doch nicht mehr ändern.

Und wie unbefangen der Mensch dabei aussah, und wie blaß aber auch! Während der König mit Polonius sprach, unterhielt er sich mit den Hofleuten, als ob ihn die ganze Geschichte gar nichts anginge. Im Hause selber herrschte dabei noch immer einige Unruhe, und das flüsterte und zischelte an allen Ecken und Enden. In dem Augenblick aber, wo sich der König an Hamlet wandte:

»Doch nun, mein Vetter Hamlet, und mein Sohn...«

herrschte Todtenstille, und man hätte ein Blatt Papier können fallen hören.

Hamlet sprach aber seine kurzen Sätze einfach und verständig, die ersten Worte nur noch etwas leise – er war noch zu befangen. Trotzdem verstand man jede Silbe, denn das Publikum wagte kaum zu athmen, und schon bei der Anrede an die Mutter:

»Scheint, gnäd'ge Frau? Nein – ist! Mir gilt kein Scheint...«

schien er seine ganze Fassung erlangt zu haben oder hatte vielmehr das Publikum so vergessen, daß er nur Auge und Ohr für seine Rolle hatte, und nach dem Abgange der Übrigen, bei den heftigen Worten:

»Zerschmölze doch dies allzu feste Fleisch,

Zerging' und löst' in einen Thau sich auf!

Oh, hätte nicht der Ew'ge sein Gebot