»Sie sehen mich vollständig bereit, meinen Platz auszufüllen.«
»Na, Gott gebe seinen Segen dazu – Sie haben es selber gewollt.«
Die Musik schwieg; Sulzer gab das Zeichen zum Aufziehen des Vorhanges und trat dann rasch hinaus.
»Wer da?« schrie ihm Mauser aus dem Souffleurkasten, als ersten Ausruf Bernardo's, entgegen, denn er hatte mit Schmerzen auf den Beginn gewartet und glaubte natürlich, es sollte jetzt losgehen. Sulzer stutzte, und im Parket, wo man den Ruf deutlich gehört hatte, lachten Einige. König Claudius sammelte sich aber rasch wieder, und vortretend und zuerst den Erbprinzen, dann das Publikum mit einer ehrerbietigen Verbeugung begrüßend, brachte er die Anzeige der stattfindenden Veränderung.
Das Publikum nahm dieselbe ruhig hin, und nur ein leises Flüstern lief durch's Parterre, denn kein Name war genannt und Niemand wußte, wer jetzt den Hamlet spielen solle. König Claudius ließ sich aber auf keine weiteren Erklärungen ein, und Mauser selber unten im Souffleurkasten war in der äußersten Spannung, wer von Allen die Hauptrolle im Stücke so rasch übernommen haben konnte, daß er selber keine Ahnung davon hatte.
König Claudius aber war abgegangen. Aus der Coulisse trat der wachthabende Posten, Francisco, vor und schulterte seine Hellebarde, und Bernardo trat von der andern Seite auf.
Die erste Scene ging auch ruhig vorüber, und nur die Spannung des Publikums wurde mit der Verwandlung gesteigert.
Jetzt traten der König, die Königin, Hamlet, Polonius, Laertes und die Hofleute mit Gefolge auf, und Aller Augen hingen an dem Prinzen, aber jetzt nicht an dem Erbprinzen, sondern an dem von Dänemark, den man mit seinem bleichen Antlitz nicht einmal gleich erkannte. Aber plötzlich – Niemand wußte, woher er gekommen – flog der Ruf in einem hörbaren Zischeln durch das Theater:
»Rebe – Rebe spielt den Hamlet!«
Auf einer der vordersten Bänke saß Jeremias, der heute Rebe, wenn auch in einer kleinen Rolle, auf dem Zettel gefunden hatte und, ohne daheim etwas davon zu sagen, in's Theater gegangen war, um ihn selber einmal spielen zu sehen. War es überhaupt die letzte Rolle, in der er hier auftreten sollte. Sein Nachbar rief jetzt ebenfalls: »Rebe spielt den Hamlet!«, und es gab ihm einen ordentlichen Stich in's Herz, als er den Ausruf hörte.