»Gute Nacht, Mutter!«
»Wo willst Du hin?«
»Noch einmal fort; ich habe mir nur den Schimmel satteln lassen und muß vor Tag wenigstens die Spur haben. Das darf nicht sein, das darf nicht sein, es ist zu furchtbar!«
»Und welchen Zweck hast Du dabei?«
»Welchen Zweck?« rief George erstaunt. »Dir Deine Tochter wieder zuzuführen – die Ehre unseres Hauses zu retten!«
»Ich habe keine Tochter mehr!« sagte die Gräfin mit eisiger Kälte. »Und die Ehre unseres Hauses? Glaubst Du, daß es morgen in der Stadt noch eine Dienstmagd giebt, die nicht am Brunnen die Ehre unseres Hauses bespräche?«
Ehe George etwas darauf erwidern konnte, öffnete sich plötzlich die Thür, und der alte Graf, mit einem Antlitz, das auch jeder Blutstropfen verlassen hatte, und gläsernen, stieren Augen, betrat den Saal.
»Mein Vater!«
»Bitte, meine verehrten Herrschaften, behalten Sie Platz!« sagte der alte Herr mit markerschütternder Freundlichkeit; »meine Paula wird gleich erscheinen – nur ein leichtes Unwohlsein.«
»Großer, allmächtiger Gott,« stöhnte George und barg das Antlitz in den Händen, »das ist schrecklich!«