»Und weißt Du, wer im Wagen auf sie gewartet hat?«

»Im Wagen?« wiederholte George erschreckt.

»Jener Schauspieler Handor,« sagte die Mutter mit furchtbarer Ruhe.

»Handor?« schrie George emporfahrend.

»Still,« sagte die Mutter, »wir brauchen unsere Schande nicht selber in die Welt zu schreien, es wird das ohnedies zeitig genug von anderen Leuten geschehen!«

»Aber es ist nicht möglich,« rief George aus, der sich indessen auf die Einzelheiten besann – »Handor spielte heut Abend in der nämlichen Zeit, in der Paula entfloh, in der Stadt den »Hamlet«, und das Theater ist keinesfalls vor zehn Uhr aus gewesen, ja, kaum dann, da ich mich erinnere, daß auch noch in den Zwischenacten etwas angezeigt war.«

»Ich habe den Brief, den mir Paula zurückgelassen, verbrannt,« sagte die Mutter kalt; »sie nennt darin mit einfachen Worten ihren Verführer. Möglich aber, daß sie allein von hier fortgefahren, wenn er wirklich gespielt hat, um sich dann nach der Vorstellung irgend ein Rendezvous zu geben und gemeinschaftlich ihre Reise fortzusetzen; aber in dem Wagen hat ein Herr gewartet.«

»Im Wagen?«

»Der Gärtnerbursche hat ihn selber gesprochen.«

George ging mit gekreuzten Armen im Saale auf und ab. Auf dem Tisch, neben den beiden zurückgelassenen Gedecken standen noch mehrere Flaschen Wein. Er nahm die eine und goß in ein Wasserglas ein; aber er sah nicht, was er ausgoß, so flimmerte es ihm vor den Augen, und die rothe Fluth schoß über das Tischtuch. Dann stürzte er den Inhalt des Glases hastig hinunter.