Kaum war sie umgekleidet, als Graf George auf müde gerittenem Pferd zurückkehrte. Es war indessen nahe an zwölf Uhr geworden.
Der Diener kam und meldete der Gräfin die Rückkehr ihres Sohnes, und die Dame sagte rasch: »Er soll in den Speisesaal kommen, ich will ihn sprechen.«
Noch zögerte sie einen Augenblick; aber der Graf schlief, wie es schien, fest. Er hielt die Augen geschlossen und athmete leicht. Sie bog sich über ihn und horchte seinen Athemzügen; er regte sich nicht, und leise verließ sie das Gemach, um George zu sprechen.
Dieser hatte indessen sein Pferd abgegeben und der Mutter Botschaft erhalten. Er betrat gleich nach ihr den Saal, dessen Tafel noch mit allem Geschirr, wie es die Gäste verlassen, gedeckt stand – wo hätten die Diener Zeit gehabt, es fortzuräumen? Nur das Silber war beseitigt und verschlossen, mit Ausnahme der schweren silbernen Armleuchter, von denen noch zwei auf dem Tisch brannten. Weder die Gräfin noch der junge Graf hatten ja zu Nacht gespeist, und das Essen mußte doch für sie bereit gehalten werden, wenn sie danach fragen sollten.
»Wo warst Du, George?« rief ihm die Mutter entgegen, wie er nur die Schwelle betrat. »Hast Du sie gefunden?«
George schüttelte finster mit dem Kopf. »In die Nacht bin ich hinein geritten,« sagte er, »was mein Pferd laufen konnte; hätte ich zufällig den rechten Weg getroffen, so mußte ich sie erreichen, ehe sie den ersten Meilenstein hinter sich wußten. Aber im Dorfe gehen vier Wege ab – ich habe keine Spur von ihnen entdeckt.«
»Und jetzt?«
»Ich bin nur zurückgekommen, um zu hören, ob Hubert sie vielleicht gefunden. Weit kann sie ja doch nicht sein, allein mit ihrem Kammermädchen.«
»Hubert ist zurück – umsonst! Und glaubst Du, daß sie allein gereist ist?«
»Nun, mit Bertha; Beide sind sie ja gesehen worden, wie sie durch den Park eilten.«