»Aber Herr Handor war hier sehr beliebt.«

»Bah, gemacht; jeden Abend zwanzig Freibillets im Theater, und die, richtig vertheilt, können 'was ausrichten. Sie glauben gar nicht, Rebe, was ein einziges Paar Hände im rechten Moment bedeutet, und ich denke, ich habe Ihnen gestern eine Probe davon gegeben, als ich im dritten Act, wie ich das Publikum genugsam vorbereitet glaubte, mit einem Avec einsetzte.«

»Sie, Herr Doctor?«

»Nun, versteht sich; daß das ein alter Prakticus war, konnten Sie doch gleich am Zuschlagen hören. Das erste Rennen haben Sie dadurch gewonnen, und jetzt kommt Alles darauf an, wie die Sache gehandhabt wird, um Ihnen ohne allen Zweifel einen bleibenden Erfolg hier zu sichern.«

»Das würde wohl nutzlos sein,« meinte Rebe, »sich darüber den Kopf weiter zu zerbrechen, denn mein Contract ist mit dem gestrigen Tage abgelaufen. Es war der letzte Abend, der mir Gelegenheit bot, dem Publikum doch wenigstens zu zeigen, daß ich nicht ganz so mittelmäßig sei, als ich bis daher hingestellt worden.«

»Schwatzen Sie kein Zeug,« sagte Strohwisch mit einer Protectormiene, »Sie jetzt Haßburg verlassen? Denken gar nicht daran – der Director wird doch kein Esel sein und darein willigen!«

»Es wird doch wohl so werden.«

»Und wo will er denn einen Andern herkriegen? Glauben Sie, die ersten Liebhaber laufen auf der Landstraße herum, daß man nur einen Gensdarmen hinzuschicken braucht, um sich einen einzufangen? Hahahaha, denken Sie sich das Bild! Nein, wenn das Publikum mit Ihnen hier zufrieden ist, so hat Krüger gar keine Wahl, und wer das Publikum eigentlich hier in Haßburg ist, Rebe, ich dächte, das wüßten Sie doch – das bin ich

»Sie, Herr Doctor?«

»Fragen Sie nicht so kindlich. Wer schreibt denn die Recensionen über das hiesige Theater, und in wessen Händen liegt es denn, zu bestimmen, ob ein Künstler hier reüssiren soll oder nicht? Sobald ich meine Hand von ihm abziehe, ist er verloren, so lange ich ihn halte, jubelt ihm das Publikum entgegen – Publikum, wenn ich nur den Namen gar nicht mehr hören müßte! Es ist eine zusammengelaufene, urtheilslose Masse, die nur in höchst seltenen Fällen, selbst im Theater drin, eine eigene Meinung kundzugeben wagt, bis sie erst einmal gehört und gelesen hat, wie die Sache besprochen ist.«