»Bitte,« sagte Strohwisch, sich mit spöttischer Höflichkeit von seinem Stuhl erhebend, aber doch nicht gewillt weiter zu gehen, denn Rebe war von sehniger Statur und muskulös gebaut. »Ich sehe, Sie sind kein Geschäftsmann, Herr Rebe, und bedauere wirklich herzlich, Ihre werthvolle Zeit heute Morgen so lange in Anspruch genommen zu haben. Ob Sie recht daran gethan, mein freundliches Entgegenkommen in solcher Art zurückzuweisen, mag die Zeit lehren. Für jetzt habe ich die Ehre, mich Ihnen gehorsamst zu empfehlen!« Und seinen Hut aufgreifend, verließ er mit einer sehr förmlichen Verbeugung das Zimmer.
Rebe fühlte sich eine Last von der Seele genommen, als der Mensch ging; denn so lange er sich in seiner Nähe befand, war es ihm ordentlich, als ob irgend ein böser Geist Macht über ihn gewinnen und ihn von seinem ehrlichen Pfade ablenken wollte. Aber kehrte er noch einmal zurück? Draußen knarrte wieder die Treppe. Aber nein, das waren zwei Personen; er hörte Stimmen. Es wurde wieder geklopft.
»Herein!«
»Bitte, nach Ihnen, ich bin hier zu Hause!« hörte er Jemanden sagen. Das war Peters. Die Thür öffnete sich weit und der Theaterdiener nöthigte auch wirklich – Rebe's Herz schlug hoch – Henriettens Vater zuerst hinein.
Jeremias hielt sich aber nicht lange bei der Vorrede auf. Er ging auf Rebe zu, reichte ihm herzlich die Hand und rief: »Mein lieber Rebe, ich komme hierher, um Ihnen Abbitte zu thun.«
»Mir, Herr Stelzhammer?«
»Ich habe Sie im Verdacht gehabt, daß Sie kein Schauspieler wären und die Geschichte nur so aus Plaisir mitmachten; ich bin jetzt aber anderer Meinung darüber. Bleiben Sie dabei, Sie gehören nirgends anders hin, und – ich hoffe, es soll noch Alles gut werden.«
»Mein bester Herr...«
»Nicht wahr, er hat seine Sache gut gemacht!« rief Peters, der selber mit stolz auf den gestrigen Erfolg war, den der Director allerdings auch seinen Beinen zu verdanken hatte. – »Ja, ganz brav hat er's gemacht, und hier, Herr Rebe, auch ein Brief vom Director. Sollen um zwölf Uhr einmal zu ihm in's Bureau kommen, verstehen schon – gratulire im Voraus.«
»Und haben Sie bis dahin noch etwas vor?«