»Und erlauben Sie mir, daß ich Henriette wiedersehen darf?« sagte endlich Rebe mit leiser Stimme.
»Hurrjeh, deshalb bin ich ja hergekommen,« rief Jeremias, der sich dadurch mit Einem Mal aller Verlegenheit enthoben sah. »Jetzt, auf den Ruck wollen wir hingehen! Ich sage Ihnen, daheim ist es ein wahrer Jammer die Zeit über gewesen, so hat sich das arme Ding, das Jettchen, heimlich gesorgt und abgequält, und die Mutter ist dabei immer elender und miserabeler geworden. Heute blüht Jettchen wie eine junge Rose und singt im Hause herum, daß es eine Lust ist.«
»Mein lieber Herr Stelzhammer!«
»Machen Sie nur rasch, mir brennt's ordentlich unter den Sohlen,« rief Jeremias; »weiß Gott, es war kein Spaß, das Leiden den ganzen Tag mit anzusehen und nichts dabei thun zu können! Der Hamlet hat die ganze Geschichte wieder auf die Strümpfe gebracht, und wenn Sie jetzt in Gang bleiben, ist mir auch nicht bange.«
Es mochte etwa elf Uhr Morgens sein, als der junge Graf Hubert, sein braves Pferd in Schweiß gebadet, in die Stadt zurückkehrte. Er war seit Tagesanbruch draußen gewesen und sah wild und verstört aus. Sein Gesicht glühte dabei und seine Augen waren wie mit Blut unterlaufen.
Den Weg herunter kam in einem scharfen Trab George. Er hatte Hubert's Pferd erkannt und wollte ihn sprechen.
»Um Gottes willen, Hubert, wo bist Du gewesen?« rief er den Freund erschreckt an. »Wie siehst Du aus?«
»Du freilich siehst aus, als ob Du von einer Morgenpromenade kämest,« erwiderte gereizt der junge Graf. »Wo ich war? Und das fragst Du auch noch? Den Flüchtigen nach. Beim ewigen Gott, hätte ich ihn erreicht, seine Minuten wären gezählt gewesen!«
»Und Du hättest Dich selbst unglücklich dadurch gemacht!«