»Tausend Dank, mein süßes Leben!« rief Rudolph leidenschaftlich, indem er sie umschlang und wieder und wieder küßte. Sie gab sich seinen Liebkosungen auch für wenige Secunden hin, dann aber machte sie sich leise von ihm los.

»Lebe wohl, Rudolph, lebe wohl!« rief sie ihm zu, drückte noch einen Kuß auf seine Lippen und floh dann wie ein gescheuchtes Reh den Busch entlang, um erst weiter oben den Pfad wieder zu erreichen, von wo sie nachher langsam, wie von einem Spaziergang kommend, nach dem Schloß zurückkehren konnte.

»Himmlisches Mädchen,« sagte Rudolph, der stehen geblieben war und ihr mit einem behaglichen Lächeln nachgesehen hatte, »lauter Feuer und Gluth, eine lebendige Julia! Und der Alte? Bah, er wird eine Weile wüthen und Rache schnauben, daß die Comtesse mit einem Komödianten durchgegangen, und zuletzt bleibt es immer die alte Geschichte. Was will er denn machen? Es ist die einzige Tochter, und wenn ihm der Schwiegersohn auch gerade nicht genehm sein mag, muß er doch schon gute Miene zum bösen Spiel machen – der alte adelsstolze Narr der.«

Und sich erst vergnügt und selbstzufrieden die Hände reibend – von seiner vorigen Verzweiflung war keine Spur mehr zu entdecken –, griff er seinen kleinen Spazierstock wieder vom Boden auf, schlenderte langsam nach dem nächsten Weg hinaus, blieb hier noch einmal stehen, um sich erst mit seinem Taschentuch die in dem trocknen Laub und Sand staubig gewordenen Glanzstiefeln zu säubern, und schlug dann dieselbe Richtung wieder ein, von der er vorher gekommen und wo er mit einem kleinen Umweg das Schloß und dessen nächste Umgebung vermied, um von dort ungesehen in die Stadt zurückzukehren.

4.
Die gräfliche Familie.

Die Equipage des Grafen Monford fuhr indessen langsam den sogenannten »Schloßberg« hinauf, denn der Graf hielt außerordentlich auf seine Pferde und litt nie, daß sie nutzlos angestrengt wurden, strafte auch nichts härter, als einen Verstoß gegen die darüber erlassenen Befehle. Der leichte Wagen knirschte über den hier reichlich ausgestreuten Kies, und der Weg zog sich bis zur Treppe des Herrenhauses durch einen wahren Flor von in voller Blüthe stehendem Hollunder, Goldregen, Akazien und Schneeballen hin, während die Front des ganzen Gebäudes mit allen nur erdenklichen Topfgewächsen so reich geschmückt war, daß selbst die breite, kunstvoll gearbeitete Marmortreppe, die zu dem Gartensalon und Empfangszimmer hinauf führte, einem vollblühenden Garten glich und den Duft ihrer Blumen durch die geöffneten Fenster in alle Räume des Schlosses sandte.

Und alle Räume waren so reich als geschmackvoll ausgestattet, denn Graf Monford besaß ein bedeutendes Vermögen und hatte auf seinen weiten Reisen gelernt, sich die Bequemlichkeiten und den Luxus aller Himmelsstriche anzueignen, ohne dabei sein Haus zu überladen. Die kostbarsten Gemälde, die herrlichsten Statuen und Statuetten schmückten die Zimmer, aber wo sie standen, schien es auch, als ob sie fehlen würden, wenn man sie weggenommen hätte.

Eine zahlreiche Dienerschaft füllte dabei das Haus – Graf Monford hatte früher auf von seinem Vater ererbten Besitzungen in Westindien gelebt und sich daran gewöhnt, eine Masse von Dienstleuten um sich zu haben – und herrliche Pferde standen in den Ställen, die sich, mit weiten Rasengründen für die Fohlen, eine ganze Strecke in den Park hineinzogen.

Als er ausgestiegen war, blieb er auch noch eine Weile (während seine Gemahlin nach oben ging, um Toilette zum Diner zu machen, und der Bediente eine Anzahl aus der Stadt mitgebrachter Pakete aus dem Wagen nahm) auf der Treppe stehen, um indessen seine beiden Goldfüchse zu betrachten, die, ungeduldig über den Aufenthalt, die schönen Köpfe auf und nieder warfen.

»Der Soliman scheut noch immer,« sagte er dabei, während sein prüfender Blick über die Thiere glitt und den Kutscher besorgt machte, daß er etwas Ungehöriges daran entdecke, – »daß wir ihm das gar nicht abgewöhnen können.«