»Der Gewalt setz' ich Gewalt entgegen,« rief Paula leidenschaftlich, »treiben sie mich zum Äußersten, so fallen die Folgen auch auf ihr Haupt zurück; Gott hätte diese Liebe zu Dir nicht in mein Herz gelegt, Rudolph, wenn sie nicht göttlich wäre, und seiner Weisung will ich folgen. Aber ich muß jetzt fort.«

»Und kann ich nie

Ein Stündchen ruhig Dir am Busen hängen

Und Brust an Brust und Seel' in Seele drängen?«

klagte Rudolph, Göthe's »Faust« citirend.

»Ich darf nicht länger bleiben,« sagte Paula, »ja, ich fürchte, daß meine Eltern schon zurück sind und nach mir gefragt haben.«

»Und wann sehe ich Dich wieder?«

Paula zögerte einen Augenblick mit der Antwort. »Wir dürfen nicht so oft zusammen kommen,« sagte sie endlich. »Du glaubst nicht, wie viel Augen uns bewachen. Aber es ist doch vielleicht nöthig, daß ich Dir morgen Nachricht gebe; so sei denn morgen Abend – morgen Abend ist kein Theater, nicht wahr?«

»Nein, mein Herz, ich habe den Tag und Abend frei.«

»Gut denn, so sei morgen Abend an der bewußten Stelle neben dem alten Wartthurm. Es ist möglich, daß ich selber Zeit finde, einen Moment dorthin zu kommen, wo nicht, findest Du einen Zettel an dem bestimmten Platz.«