»Nur für kurze Zeit; sobald das Wundfieber vorüber ist, dürft Ihr wieder kräftige Nahrung zu Euch nehmen.«

»Aber das ist vorüber.«

»Doch nicht ganz; heute Morgen habt Ihr noch eine Menge tolles Zeug geschwatzt.«

»Bah, das thu' ich immer,« sagte der Alte; »aber meinetwegen – nur Einen Wunsch hätt' ich.«

»Und der ist?«

»Den Förster möcht' ich gern einmal anschau'n, wie dem sein Gesicht heut' Morgen aussieht,« lachte der Verwundete ingrimmig in sich hinein. »Ruhig, Spitz,« fuhr er aber gleich darauf, den Hund beschwichtigend, fort, als dieser plötzlich zu knurren anfing. »Ob der nur den Titel des Schuftes hören kann, ohne sich selber zu giften! Ruhig, mein Hund, unsere Zeit kommt doch vielleicht noch einmal!«

Er fiel matt und erschöpft auf sein Lager zurück, denn das viele Sprechen hatte ihn angestrengt, und der junge Arzt suchte jetzt dem kleinen Mädchen – denn mit dem alten, tauben Jonas war nichts zu reden – begreiflich zu machen, in welcher Art sie den Kranken zu behandeln habe. Das Kind fürchtete sich aber vor dem alten, ungeselligen Burschen, der, wenn er allein war, immer vor sich hin lachte oder fluchte; ebenso auch vor dem kleinen, bissigen Hund, der sie immer anknurrte, wenn sie zum Lager wollte, und Frank beschloß deshalb, selber hinüber in das Dorf zu gehen, um eine erfahrene Wärterin zu engagiren. Der Zustand der Wunde war allerdings bedenklich und es durfte in der Behandlung derselben nichts versäumt werden.

Das Gewitter hatte nachgelassen, der Wind sich aber von Südwest nach Nordwest herumgedreht, und ein feiner, kalter Regen peitschte auf die Erde nieder. Wie der Abend endlich dämmerte, war es recht kalt und unfreundlich geworden, ja, so rauh, daß die Gräfin dem einen Diener befahl, in ihrem Kamin ein kleines Feuer anzuzünden. Es fröstelte sie, und der Raum kam ihr heute überdies so öde vor.

Es war völlig Nacht geworden und der Haushofmeister, von einem Diener begleitet, der zwei große silberne und prachtvoll gearbeitete Armleuchter auf den Tisch stellte, hatte die schwerseidenen Gardinen vorgezogen.

Am Kamin, den Blick stier und nachdenkend auf die glühenden Kohlen darin geheftet, saß die Gräfin, neben ihr am Tisch, mit einem Haufen von Zeitungen und Büchern vor sich, der Graf. Aber kein Wort wurde zwischen ihnen gewechselt, keine Frage gestellt, und der alte Herr hielt eben eine große, bunt und elegant gedruckte Karte zwischen den Fingern, die Einladung zu dem heutigen Ball in Haßburg. Nur sein Blick haftete darauf und seine Lippen zogen sich zu einem bittern Lächeln zusammen.