»Wo nur George heute bleibt?« sagte die Gräfin endlich, aber mehr zu sich selber, als zu ihrem Gemahl sprechend, leise vor sich hin. »Er weiß, wie allein wir hier sind.«
Die Thür ging auf und sie wandte rasch den Kopf; aber es war nur der Haushofmeister, der die Theemaschine mit den Tassen hereinbringen ließ.
Draußen heulte der Nordwest und fegte die Terrasse rein; die dichtbelaubten Bäume rauschten und schüttelten schon hier und da einige vergilbte Blätter los, die vom Sturm weit hinab in's Thal getragen wurden.
»Ist der Briefträger noch nicht dagewesen?« fragte der Graf.
»Noch nicht,« erwiderte der Haushofmeister, »aber er kann jeden Augenblick kommen; es ist jetzt seine Zeit, Herr Graf.«
»Wie das da draußen stürmt!«
»Der Regen hat nachgelassen, Herr Graf; aber einen solchen Sturm weiß ich mich nicht zu entsinnen, seit wir hier oben wohnen. Es ist, als ob er die Bäume aus der Erde reißen wollte.«
»Arme Menschen, die jetzt draußen in Wind und Wetter sind,« nickte der Graf, »arme Menschen!«
Der Haushofmeister seufzte tief auf, aber er wagte nicht weiter etwas zu sagen, ordnete das Theeservice, rückte den kleinen Tisch mit der Maschine etwas näher zu seiner Herrin hin, und verließ dann das Gemach.
So verging wieder eine halbe Stunde. Draußen wurde die Vorsaalthür geöffnet und schlug gleich darauf, vom Sturm gefaßt, wieder heftig zu. Der Graf schreckte empor, beruhigte sich aber wieder und nippte an einer Tasse Thee, die ihm die Gattin eingeschenkt.