Schritte draußen – der Haushofmeister kam selber herein; er trug einen silbernen Teller in der Hand, auf dem ein Brief lag. Aber seine Hand zitterte, und mit vor Freude fast bebender Stimme rief er: »Ein Brief, Herr Graf, ein Brief, der Postbote hat ihn eben gebracht!«
Unwillkürlich streckte der Graf die Hand danach aus, aber er ließ sie wieder sinken. »Woher ist er?« fragte er leise.
»Ja, mein bester Herr, das Postzeichen kann ich nicht erkennen, es schwimmt mir Alles vor den Augen; aber die Schriftzüge kenn' ich, die lieben Schriftzüge!«
»Ich will ihn nicht haben,« sagte der Graf und wandte den Kopf zur Seite, als ob er sich seiner Schwäche bewußt sei; »ich will ihn nicht haben.«
»Aber die gnädige Frau Gräfin nimmt ihn dann,« sagte der alte Mann; »oh, dem Himmel sei Dank, da kommt doch endlich Nachricht!«
Er hielt den Teller der Gräfin hin, und sein Blick dankte ihr, als sie den Arm danach ausstreckte.
Finster und schweigend nahm die Gräfin den Brief; nur Einen Blick warf sie auf die Adresse – es waren die Schriftzüge ihrer Tochter – und ohne weiter ein Wort zu sagen, schleuderte sie den Brief auf die glühenden Kohlen im Kamin.
»Frau Gräfin!« schrie der alte treue Diener fast entsetzt auf, »er ist von Ihrer Tochter, von der lieben, lieben Comtesse!« Und fast unwillkürlich wollte er zuspringen, um das auflodernde Papier noch zu retten.
»Halt!« sagte die Gräfin streng, indem sie den Arm abwehrend vorstreckte. »Hußmann, Ihr überschreitet Eure Grenzen!«
Der alte Herr hatte ebenfalls fast unwillkürlich eine Bewegung gemacht, als das Papier in die Flamme flog, aber es war nur ein Moment gewesen; dann nickte er wie zustimmend mit dem Kopf und murmelte leise vor sich hin: »Es muß sein, es muß sein; es geht nicht anders!«