Mademoiselle Beautemps biß sich auf die Lippen, antwortete aber nur, sich ihrer Stellung und Würde bewußt, durch eine sehr förmliche Verbeugung, die der alte Herr nicht einmal bemerkte, und trat dann auf die Treppe hinaus, um die Ankunft ihres ungehorsamen Zöglings mit anscheinender Geduld, bei der sie aber in innerlichem Ärger fortwährend in raschem Tacte die Marmorplatten mit dem Fuß schlug, zu erwarten.
Ein Reiter kam den Weg heraufgesprengt, hielt an der Treppe, sprang aus dem Sattel, warf die Zügel seines warm gewordenen Thieres dem ihm folgenden Reitknecht zu, und war dann in wenigen Sätzen oben bei der Gouvernante.
»Ah, guten Morgen, Mademoiselle – Karl, reib das Pferd gut ab, und daß dann der Fingal gesattelt wird – ich reite nach dem Diner gleich wieder in die Stadt zurück. – Wo ist Paula, Mademoiselle?«
»Thut mir leid, Ihnen keine Auskunft geben zu können, Herr Graf,« sagte die Dame achselzuckend; »die Comtesse scheint die Zügel der Regierung selber in die Hand nehmen zu wollen.«
»Durchgebrannt?« lachte der junge Mann, indem er seine Handschuhe auszog und in den Reitrock steckte. »Die Eltern sind aber zu Hause, wie ich sehe,« setzte er mit einem Blick auf die Wagenspuren hinzu, »und wahrhaftig, gleich fünf Uhr – alle Wetter, da habe ich keine Zeit mehr zu verlieren!« und rasch sprang er in das Haus und in sein eigenes Zimmer hinauf.
Mademoiselle Beautemps hatte wenigstens die Genugthuung, nicht länger auf die Folter gespannt zu sein, denn in diesem Augenblick kam auch die Comtesse aus dem Park herauf. Sie mußte scharf gegangen sein, denn sie sah erregt aus.
»Aber, Comtesse, ich bitte Sie um Gottes willen, wo haben Sie gesteckt? Kann man denn nicht auf einen Augenblick den Rücken wenden!«
»Sind die Eltern schon da?«
»Schon lange, es wird gleich servirt werden. Und wie sehen Sie aus! Mit der Frisur können Sie gar nicht bei Tafel erscheinen! Wo waren Sie?«
»Im Park. Ist George auch schon da?«