»Alle – es wird den Augenblick dinirt. Ich muß wirklich in Zukunft bitten...«

Paula ließ sie gar nicht ausreden. An ihr vorüber huschte sie durch den Saal in ihr eigenes kleines Boudoir, wo Bertha, ihre Kammerjungfer, sie schon erwartete, und als Mademoiselle Beautemps, damit nicht zufrieden, sich das Wort abgeschnitten zu sehen, ihr dahin folgen wollte, um ihre Ermahnung und Strafpredigt zu beenden, hatte die sorgsame Zofe schon den Riegel vorgeschoben. Es wurde Niemand mehr eingelassen.

Paula brauchte aber für ihre Toilette außerordentlich wenig Zeit; das volle, herrliche Haar fiel fast von selbst in seine natürlichen Locken, und noch ehe die Gräfin Mutter den Speisesaal betrat, wo in diesem Augenblick gerade die Suppe aufgetragen wurde, war sie dort.

Ihr Bruder stand schon am Fenster und blätterte in einem Haufen von Zeitungen.

»Ah, da bist Du ja!« rief er ihr entgegen. »Sag', Schatz,« flüsterte er dann, »hat Dir Papa schon etwas mitgetheilt?«

»Mir, George?« fragte Paula erstaunt – »was soll er mir mitgetheilt haben? Ich weiß von nichts!«

»Nun, dann kommt es noch,« lächelte George, ihr freundlich zunickend. »Apropos, Paula, gehst Du Dienstag mit in's Theater? Die Räuber werden gegeben. Handor ist famos als Karl Moor.«

»Ich weiß es nicht,« sagte Paula erröthend, »wenn es Papa erlaubt...«

»Hoffentlich nicht, Comtesse,« bemerkte hier die Gesellschafterin, die gerade zur rechten Zeit in den Saal getreten war, um die Frage zu hören; »denn mit meiner Zustimmung besuchen Sie das Theater nicht so oft. Es ist ein Tempel des Lasters, in dem junge Mädchen eigentlich gar nichts zu suchen haben.«

»Mademoiselle!« wollte George gereizt ausfahren, als sich die Thür öffnete und die Eltern erschienen. Die Unterhaltung war damit abgebrochen.