Jeremias war eben den ersten Absatz hinabgestiegen, als ein Herr dicht unter ihm die Treppe heraufkam und zu ihm aufsah. Der Fremde, welcher etwa einen Kopf größer als unser kleiner Freund sein mochte, stand noch drei oder vier Stufen unter ihm, als er den Kopf zu ihm empordrehte und Jeremias plötzlich halten blieb.

»Hurrjeh!« rief er aus, indem er sich so klein machte, daß er seinen Kopf ziemlich in eine Richtung mit dem die Treppe Heraufkommenden brachte und beide Hände dabei auf die Kniee stützte. »Habe ich nicht das Vergnügen, den Herrn Doctor Strohwisch vor mir zu sehen?«

»Das ist allerdings mein Name,« sagte der Herr. »Und mit wem hab' ich die Ehre?«

»Na, seh'n Sie einmal an,« rief Jeremias, ohne die Frage zu beantworten, »und so hübsch allein unter vier Augen! Da erlauben Sie mir vielleicht, Ihnen gleich zu sagen, mein lieber Herr Strohwisch, daß Sie ein ganz miserabler, erbärmlicher Dintenkleckser und Schubbejack sind!«

»Sie alberner Esel!« rief der Doctor, der gar nicht gleich wußte, über was er am meisten erstaunen sollte, über die kleine, geduckte, komische Gestalt, die vor ihm kauerte und die er deshalb auch, was persönliche Kraft anbetraf, bedeutend unterschätzte. »Was unterstehen Sie sich? Fort, oder ich werfe Sie die Treppe hinab!«

»So?« sagte Jeremias, der nur auf eine solche Einladung gewartet zu haben schien, drückte sich mit der Linken seinen Hut fest und hatte aber auch im nächsten Moment schon den Doctor beim Kragen, der sich wie ein Kind in seinem Griffe wand.

»Herr, lassen Sie mich los!« schrie er.

»Treppe hinunter – so?« rief Jeremias. »Wundervolle Idee – Kopf weg unten!« Und ehe der »Doctor« nur einen Hülferuf ausstoßen konnte, hatte er ihn herumgedreht, und wie ein Pfeil schoß er die Treppe hinab.

Jeremias' Blut war aber jetzt aufgeregt. Alberner Esel hatte er ihn genannt – was vorangegangen, zählte nicht – und die Recension geschrieben, und da unten kullerte er auf der Treppe herum. Unglücklich für ihn trug Doctor Strohwisch auch ein spanisches Rohr in der Hand, und Jeremias wußte eigentlich später gar nicht mehr recht, wie es gekommen war; ehe er sich aber auf etwas besann, war er die Stufen hinab unten bei seinem Schlachtopfer, hatte ihm den Stock aus der Hand gerissen und zerwalkte ihn dabei nach Herzenslust.

Strohwisch schrie um Hülfe und versuchte zuletzt, zur Verzweiflung getrieben, Gegenwehr; aber jetzt wurde Jeremias erst recht böse. In der Etage, wo er sich befand, wurden Stimmen laut, und um den Kampfplatz auf neutrales Gebiet zu verlegen, faßte er den Unglücklichen wieder beim Kragen und warf ihn vor sich her den nächsten Absatz hinunter, von wo nur noch eine niedere Stufenreihe bis zur Hausthür blieb, und hier folgte Fortsetzung.