»Gewiß; es ist eine Art verdorbenes Genie, der Gelegenheitsgedichte und dergleichen macht und eigentlich mit dem »Doctor« befreundet; aber, lieber Gott, er hat immer Durst; Ihr Wohl, Herr Stelzhammer, und ein paar Gulden mehr auf die eine Seite können da schon 'was ausrichten!«

»Sie wissen, Herr Peters, daß es mir auf ein paar Gulden nicht ankommt.«

»Sehr hübsch von Ihnen, Herr Stelzhammer,« bemerkte Peters, »wollte, ich könnte dasselbe von mir sagen.«

»Wenn die Sache gut abläuft, soll es Ihr Schade gewiß nicht sein!«

»Was thut man nicht im Interesse der Direction,« bemerkte Peters bescheiden, »und wenn uns der Rebe nur ein klein wenig hilft, und ich bin fest überzeugt, er wird seine Sache gut machen, so – aber da kommt er,« stieß er plötzlich seinen Nachbar heimlich mit dem Ellbogen an. »Das ist der Hauptmatador von Allen – aber jetzt ruhig, daß er nichts merkt. Lassen Sie mich nur machen.«

Der Eintretende war eine ganz auffallende Erscheinung, ein baumstarker Mensch mit blonden Haaren und blauen, etwas verschwommenen Augen. Die Nase dabei ein wenig geröthet, das Gesicht unrasirt, ging er, in einen braunen, sehr abgetragenen Überrock, trotz der warmen Witterung, bis oben hin eingeknöpft, so daß auch nicht die Spur von reiner Wäsche sichtbar wurde. Den Hut hatte er dabei keck und zuversichtlich auf einem Ohr sitzen und in der Hand trug er ein dickes spanisches Rohr.

Wie er in die Thür trat, warf er einen Blick in das noch sehr spärlich besetzte Zimmer, bemerkte Peters, nickte ihm huldvoll zu, hing dann ebenfalls seinen Hut an den Nagel und setzte sich, ohne Jeremias weiter zu beachten, dem Theaterdiener gerade gegenüber.

»Wollen Sie mit essen?« fragte der etwas schmutzig aussehende Kellner ohne viele Umstände, »Graupen und Rindfleisch!«

»Danke – Glas Bier!« war die Antwort. »Nun, Peters, wie geht's? Was treibt Ihr?«

»Haben Sie denn schon gegessen, Herr Walther?« fragte dieser.