»Fiesco oder die Verschwörung zu Genua. Fiesco, Graf von Lavagna – Herr Rebe« stand mit groß gedruckten Buchstaben auf den feuerrothen Zetteln, die überall in der Stadt angeklebt waren und die Augen auf sich lenken mußten.
Zugleich hatte sich aber – wer weiß denn durch wen solche Sachen bekannt werden – das Gerücht verbreitet, Rebe würde heut Abend ausgezischt werden, und wer nicht aus Theilnahme für das Stück und die Darsteller hineinging, suchte sich ein Billet zu verschaffen, um den Skandal mit anzusehen, so daß schon um vier Uhr an der Kasse sämmtliche Plätze vergriffen waren.
Insofern hatte der Director also ganz richtig speculirt. Er bekam ein ausverkauftes Haus, sogar das Orchester mußte geräumt werden, und im Übrigen war er nach keiner Seite hin gebunden; er konnte daß Resultat ruhig mit ansehen.
Rebe selber erfuhr von allen den gegen und für ihn gespielten Intriguen natürlich nichts, denn er hielt sich den ganzen Tag in seinem Zimmer verschlossen, um seine Rolle noch einmal fleißig durchzugehen. Ein paar Mal hörte er Schritte auf der Treppe, und es klopfte bei ihm an, aber er gab keine Antwort; denn nur dem Theaterdiener hatte er ein bestimmtes Anpochen gelehrt, wie er sich bemerklich machen sollte, wenn er vielleicht irgend etwas von der Direction zu bestellen hätte. Aber dieser kam nicht, und allen Anderen blieb die Thür verschlossen.
So kam die Theaterzeit heran, und schon eine Stunde vor Öffnung der Kasse drängte sich das Publikum der Gallerie und des Steh-Parterres vor den verschiedenen Thüren des Eingangs, mit Ungeduld die Erschließung derselben erwartend, und kaum geöffnet, füllten sich die Räume.
Die haute volée kam später, aber sie kam, denn Viele hatten an jenem ersten Abend dem so plötzlichen Auftreten Rebe's nicht beiwohnen können, und man war überhaupt neugierig geworden, wie sich ein junger Künstler, den man bis jetzt gewohnt gewesen als Statisten zu betrachten, entwickeln würde. Außerdem sollte er ja auch des vielbesprochenen Handor Platz einnehmen. Wirkliches Interesse für ihn fühlten nur Wenige. Was kümmerte sie der Schauspieler, sie wollten sich amüsiren, und wenn es im Theater ein wenig Skandal gab, desto besser; welchen trefflichen Unterhaltungsstoff hatte man dann wieder auf morgen! Daß die Existenz eines jungen Talents auf dem Spiel stand – wer dachte daran, oder sorgte sich deshalb?
Wie die Vorstellung aber heranrückte, wurde dem Director doch nicht wohl bei der Sache, denn durch seine Kundschafter hatte er schon lange erfahren, was für den Abend beabsichtigt, und wer dabei betheiligt war. Und wo stak Peters? Ob er des Menschen wohl habhaft werden konnte, der wie ein losgelassener Irrwisch in der Stadt umherschoß! Aber was konnte ihm Peters auch helfen?
»Was will gescheh'n, es mag gescheh'n!«
declamirte er mit Pathos vor sich hin und ging dann in's Theater und auf die Bühne, um zu sehen, ob dort wenigstens Alles in Ordnung und keine Störung zu befürchten wäre.
Den Schauspielern selber hatte die Stimmung im Publikum aber auch nicht verborgen bleiben können, und sie wußten aus eigener Erfahrung, welch böses Zeichen es ist, wenn schon im Voraus bei einem Stück Skandal angekündigt wird. Es giebt immer eine Masse nutzloses Volk, das mehr Freude daran, als an einer guten Aufführung findet, und zuletzt den Skandal, wenn er wirklich nicht ausbrechen sollte, provocirt.