»Und hat er sich zu Zeiten im Schlosse selber gezeigt?«

»Nie, Frau Gräfin. Es ist eigentlich ein sonderbarer Kauz; mit den Bedienten hat er nie verkehrt, und die haben ihn auch deshalb immer verspottet, daß er stolz wäre. Es scheint ein heruntergekommenes Subject, das vielleicht einmal bessere Tage gesehen hat. In der letzten Zeit fing er aber auch an, sich dem Trunk zu ergeben, und das muß ihn jetzt besonders so krank gemacht haben. Ich fragte vorhin den Doctor; er wird's nicht lange mehr machen. Der Brand ist zu der Wunde gekommen, und da sich das Bein nicht amputiren läßt, wird er wohl seinen letzten Jagdfrevel verübt haben. Mir thut's leid um den Förster, der kommt dadurch gewiß in Ungelegenheit, und hat sich doch nur seines eigenen Lebens gewehrt. Außerdem macht er sich ein Gewissen daraus den armen Menschen so schwer getroffen zu haben.«

Die Gräfin stand am Fenster und sah gedankenvoll hinaus. Der Haushofmeister blieb an der Thür. Sie hatte ganz vergessen, daß er im Zimmer war. Nach einer Weile fragte er endlich: »Befehlen Sie sonst noch etwas, Frau Gräfin?«

»Ich? – Nein – ja so – es ist gut, Hußmann; ich danke Euch!« Und der alte Diener verließ geräuschlos das Gemach.

Oben im kleinen Gärtnerhäuschen ging es mit dem Kranken recht schlecht. Der Ober-Medicinalrath war dort gewesen, hatte sich die Wunde angesehen und Alles, was bis jetzt dafür geschehen war, gutgeheißen. Aber es stellte sich schon wieder ein Fieber ein. Der Verwundete schien von einer merkwürdigen Unruhe erfaßt zu sein und klagte auch über Schmerzen im Körper, über ein krampfhaftes Gefühl in der Herzgegend. Der Ober-Medicinalrath verordnete Ruhe und Eisumschläge und als einzige Nahrung eine dünne Wassersuppe; dann nahm er Hut und Stock und verließ den Patienten.

Bärbel war zurückgekommen und zum Kranken hinauf gegangen; aber die alte Rosie saß noch im Zimmer, und sie wußte nicht, ob sie in deren Gegenwart etwas von dem Ring und der Frau Gräfin erwähnen durfte. Aber der Kranke kam ihr zu Hülfe.

»Rosie,« sagte er, »gebt mir doch einen Trunk frisches Wasser. Nein, nicht von dem,« fuhr er fort, als die Alte ihm aus dem Kruge einschenken wollte, »das steht schon so lange im Zimmer; bitte, holt mir frisches, gleich vom Brunnen.«

»Geh, spring einmal hinunter, Bärbel, und hol' frisch Wasser,« sagte die Alte; »Du hast junge Beine.«

»Nein, geht Ihr nur selber; die Bärbel soll mir indessen das Eis wieder auflegen, sie versteht's so gut.«

»Na, ich dächte, ich hätt's auch immer geschickt gemacht.«