»Und er gehört Euch?«

»Ja, Bärbel. Aber nun geh wieder nach Hause. Sag' ihm, wenn ich heute spazieren ginge, würde ich bei Euch einmal vorkommen und, wenn er so sehr krank ist, sehen, ob sich etwas für ihn thun läßt.«

Bärbel knixte. Es war fast, als ob sie noch etwas sagen wollte; aber sie brachte nichts mehr heraus und schien auch froh, wieder fort zu kommen, denn die Sache mit dem Ring ging ihr doch noch immer im kleinen Kopf herum.

In einer merkwürdigen Unruhe aber verließ sie die Gräfin, denn kaum hatte sie die Thür hinter sich zugezogen, als sich diese in einen Fauteuil warf und, ihr Antlitz mit den Händen deckend, eine lange Weile regungslos sitzen blieb; dann sprang sie auf und betrachtete wieder den Ring – war es, daß ein Zweifel in ihr aufstieg, ob es der rechte sei? Sie hielt ihn gegen das Licht und prüfte ihn genau, und ging dann, während sie ihn an ihren Finger schob, mit unruhigen Schritten in dem Gemach auf und ab. Plötzlich, wie zu einem Entschluß gekommen, blieb sie am Tisch stehen und klingelte.

»Der Haushofmeister soll hereinkommen.«

Der Diener schloß die Thür wieder, und nach einer Weile kam der alte Mann und fragte, was die Gräfin befehle.

»Hußmann,« sagte die Frau, welche indessen ihre ganze eiserne Ruhe wiedergewonnen hatte, »was für ein Mensch ist das eigentlich, den in jener Nacht der Förster geschossen hat? Wo kommt er her und wie lange ist er schon da?«

»Ja, Frau Gräfin,« sagte der alte Mann achselzuckend, »viel Genaues bin ich auch nicht im Stande, Ihnen darüber zu sagen. Ich weiß nicht einmal seinen vollen Namen, denn hier auf dem Schlosse wurde er nur immer Fritz oder, wie ihn die Leute nannten, der alte Fritz, geheißen, der sich, wie alle derartigen Subjecte, im Lande herumtreibt und dort eine Zeit lang bleibt, wo er Beschäftigung findet.«

»Und wie lange ist er hier?«

»Es mögen jetzt drei oder vier Jahre sein, daß er in die Gegend kam, ich weiß es wirklich selber nicht einmal mehr genau; es war das Jahr, wo die Maulwürfe so überhand genommen hatten, und in deren Vertilgung zeigte er sich außerordentlich geschickt. Nachher war er einmal wieder von Zeit zu Zeit fünf bis sechs Monate verschwunden, dann kam er wieder. Jetzt mag er auf's Neue seit etwa zwei Monaten in der Gegend sein, und der Förster hatte ihn schon lange in Verdacht, daß er nicht blos den Maulwürfen und anderem Ungeziefer nachstellte; er war aber zu schlau, als daß er ihn erwischen konnte, und nur in – in jener Nacht mochte er sich vielleicht sicherer fühlen als sonst, und hatte wohl nicht geglaubt, daß der Förster auf seinem Posten wäre.«