Er fand den jungen Grafen Rottack schon seiner harrend, und dieser kam auf ihn zu, streckte ihm die Hand entgegen und rief: »Mein lieber Jeremias, ich bin Ihnen unendlich dankbar für Ihre Freundlichkeit. Wir haben Sie sehnsüchtig erwartet!«
»Mein bester Herr Graf!«
»Kommen Sie herein – Helene ist auch drin und will Sie sprechen – wir müssen zusammen berathen, was zu thun ist.«
Helene begrüßte den alten Freund in der That auf das Herzlichste – aber wie bleich und leidend sah sie aus – wo war das Feuer und Leben geblieben, das sonst aus ihren guten Augen sprühte – wie wehmüthig lächelnd reichte sie ihm die Hand, und wie ängstlich drängte sie danach, die Sache erledigt zu sehen, die jetzt ihre ganze Seele in Anspruch nahm: das Schicksal der armen Paula.
Rottack unterstützte sie darin. »Die Nachricht, die Sie uns neulich gaben, Jeremias,« rief er aus, »hat Bestätigung erhalten. Ich habe augenblicklich nach Prag an einen Freund geschrieben, und heute Morgen kam die Antwort. Ein Schauspieler, der sich dort Boslaw nannte und in Prag auftrat, scheint allerdings dieser unglückselige Handor zu sein, der jene Gegend jetzt unter einem falschen Namen bereist, möglicher Weise, um seinen Gläubigern keine Spur seines Aufenthalts zu geben. Das Gerücht nannte dort wenigstens jenen Namen.«
»Und wo steckt er jetzt? Ist er noch in Prag?«
»Das weiß Gott,« seufzte Felix – »von Prag scheint er fort zu sein.«
»Er kann es nicht gewesen sein,« rief Helene, »die Beschreibung jener Person, die er bei sich hatte, paßt doch wahrhaftig nicht auf Paula.«
»Hatte er Jemanden bei sich?« sagte Jeremias.
»Allerdings,« nickte Felix, »dieser Boslaw soll mit einem Frauenzimmer gereist sein, das er für seine Frau ausgab – eine kleine dicke Person, anscheinend eine Böhmin – aber Gott weiß, was da vorgegangen ist!«