Gäste waren nicht im Zimmer, einen Fuhrknecht ausgenommen, der am Tisch saß, ein großes Glas Branntwein vor sich hatte und aus einer kurzen, schmutzigen Pfeife Wolken stinkenden Tabaksqualms ausstieß. Jeremias war in Brasilien gerade nicht mit sehr vorzüglichem Tabak verwöhnt worden, der hier roch ihm aber doch außer dem Spaß. Aber was half es; es mußte ertragen werden, und mit einem freundlichen Gruß gegen den Mann, der ihm nur kurz zunickte, wandte er sich an ein weibliches Individuum, möglicher Weise die Wirthin oder auch vielleicht eine Dienstmagd, die aber von Schmutz starrte, und fragte sie, ob hier im Hause eine Dame seit einiger Zeit logire.

Die Antwort, welche er bekam, war böhmisch; das Frauenzimmer verstand kein Wort Deutsch und zeigte nur dabei auf den Fuhrknecht, der ihr wahrscheinlich als Dolmetscher dienen sollte.

Er wandte sich jetzt an diesen und wiederholte seine Frage, bekam aber auch keine Antwort, denn der Mann unterhielt sich jetzt erst eine ganze Weile mit der Frau in einem Kauderwälsch, von dem Jeremias natürlich keine Sterbenssilbe verstand. Endlich drehte er wieder den Kopf nach ihm herum.

»Wen suchen Sie?« sagte er allerdings auf Deutsch, aber so gebrochen, daß Jeremias genau aufpassen mußte, wenn er die Worte verstehen wollte.

»Eine Dame,« sagte Jeremias, »die vor etwa zwei oder drei Monaten in dieses Dorf gekommen und allein hier geblieben ist.«

»Eine Dame?« wiederholte der Mann erstaunt und mit dem Kopf schüttelnd. »Was sollte die hier machen?«

»Ein junges Frauenzimmer,« lenkte Jeremias ein, der daran dachte, daß der Bursche unter Dame vielleicht etwas ganz Anderes verstand.

»Ja so!« rief der Fuhrknecht, und jetzt begann wieder ein langes Gespräch mit dem Weib hinter dem Ofen, das beschäftigt war, ein paar Suppennäpfe auszuwischen. Jeremias wartete auch geduldig seine Zeit ab, um die Beiden nicht zu stören.

»Sie kam mit einem Manne?« fragte endlich der Fuhrknecht wieder, und Jeremias nickte nur.

»Und der Mann ging nachher fort und kam nicht wieder?«