»Hier im Ort?« rief Jeremias und fuhr mit Blitzesschnelle von seinem Sitz empor.
»Nu ja, versteht sich,« nickte der Mann; »das Weibsen hatte kein Geld mehr, und der Wirth hier, mit nur einer ordentlichen Stube im Hause, wo sich Fremde unterbringen ließen, konnte die doch nicht Jemandem lassen, der nicht einmal mehr dafür bezahlte. Es war aber auch zu kalt, um sie auf die Straße zu setzen; sie wäre draußen erfroren, und da ist sie derweil bei Blshrads untergebracht.«
Die Frau fuhr aber wieder dazwischen und redete auf den Fuhrknecht ein, während dieser ihr beifällig zunickte.
»Was sagt sie?« fragte Jeremias.
»Wenn Ihr zu dem kranken Weibsen gehörtet,« meint sie, »so solltet Ihr auch das zahlen, was sie hier noch schuldig ist, denn die paar Lumpen, welche sie zurückbehalten hätte, wären nicht die Hälfte werth.«
»Oh Du mein großer Gott,« seufzte Jeremias vor sich hin, »zu welch' erschrecklichem Elend bin ich da gekommen!«
»Und wollen Sie's zahlen?« fragte der Mann.
»Ja, Alles – gewiß!« rief Jeremias in furchtbarer Aufregung; »führen Sie mich nur hinüber. – Hier, guter Mann, hier haben Sie Geld, kommen Sie mit hinüber und zeigen Sie mir das Haus; ich möchte keinen Augenblick mehr versäumen. Oh das arme, unglückliche Geschöpf!«
32.
Paula.
Der Fuhrknecht betrachtete erstaunt das Silbergeld, das ihm Jeremias in die Hand drückte, war aber auch rasch erbötig, den reichen Lohn mit so leichter Mühe zu verdienen, und trank nur eben noch vorsichtig sein Glas aus, daß ihm indessen niemand Fremdes darüber kam. Dann führte er den kleinen Mann ohne Weiteres über die Straße hinüber in das kaum hundert Schritt entfernte Haus, wo die Kranke, der Aussage der Wirthin nach, jetzt untergebracht sein sollte.