»Aber hier wohnt sie doch nicht?« rief Jeremias ordentlich erschreckt aus, als ihn der Fuhrknecht auf eine Hütte zuführte, die eher einem Stall, als einer menschlichen Wohnung glich, »das ist ja doch gar nicht möglich!«

»Wenn es die ist, die Sie suchen und die Ihr Mann hier hat sitzen lassen,« brummte der Bursche, der schon Angst hatte, daß er das Geld wieder herausgeben müsse – »gewiß. Gehen Sie doch nur erst einmal hinein.«

Jeremias, doch wahrlich mit manchem Außergewöhnlichen auf seinen langen Reisen und Irrfahrten vertraut, schauderte, als er den kalten, schmutzigen, niedern Raum betrat; sein Führer schien aber hier bekannt, und an ihm vorbeigleitend, öffnete er die Zimmerthür und rief einer dort sitzenden, widerlich häßlichen Frau etwas auf Böhmisch zu.

Diese nickte nur und deutete auf eine andere Thür, und als Jeremias, wirklich zitternd vor Furcht, die Gesuchte in diesem entsetzlichen Aufenthalt zu finden, vorwärts trat, stieß sein Führer eine andere niedere Thür auf, die zu einer kaum zehn Fuß im Quadrat haltenden Kammer führte.

Dort stand ein Bett – wenn ein erbärmliches Holzgestell mit Stroh darauf so genannt werden kann, und auf demselben, mit einer einzigen dünnen, noch überdies zerrissenen wollenen Decke überworfen, lag eine schmächtige weibliche Gestalt. Nur ein ungewisses Licht fiel durch ein fensterartiges Loch im Dach in den öden Raum, der nicht einmal geheizt werden konnte, und neben dem Lager stand ein zerbrochener irdener Krug mit Wasser, wahrscheinlich als einzige Labung.

»Großer, allmächtiger Gott,« rief Jeremias, »das hier, die Jammergestalt, ist doch nicht die Comtesse Monford?«

Wie er den Namen nannte, hob die Kranke den Kopf, und ein wachsbleiches Gesicht, mit unnatürlich großen, dunkeln Augen, starrte ihn an. Er kannte es nicht – aber die Hand, welche die Decke zurückschob, war zart und fein, und die Finger daran so dünn, daß es fast aussah, als ob sie bei der geringsten Anstrengung abbrechen müßten.

Jeremias stand sprachlos vor Entsetzen, aber der kleine praktische Mann hielt sich auch nicht lange bei unnützen Gefühlsäußerungen auf. Ordentlich krampfhaft faßte er den Mann, der ihn hierher geführt, am Arm, und zog ihn wieder hinaus vor die Thür und dem Wirthshause zu.

»Nun, ist sie's nicht?« rief dieser.

»Ja, ja – kommt – kommt nur mit« – – er mußte Jemanden haben, der für ihn sprach, und athemlos betrat er wieder die dumpfe, dunstige Wirthsstube.