»Mein Vater...«

»Laß nur sein, mein Kind – ich wußte ja, daß mein gutes Töchterchen nicht den Lieblingsplan ihrer Eltern kreuzen würde; also werde ich das Weitere schon selber mit Boltens in Ordnung bringen. Du darfst Dir indessen immer Deinen Ballstaat zurecht machen,« setzte er lächelnd hinzu, indem er ihr leise das Kinn emporhob und einen Kuß auf ihre Stirn drückte, »und daß wir nachher ein recht munteres, fröhliches Bräutchen haben, davon bin ich überzeugt...«

Ein Diener öffnete in diesem Augenblick die Thür und meldete, in steifer Haltung an der Schwelle stellen bleibend: »Baronesse von Halldorf läßt fragen, ob es der gnädigen Herrschaft genehm wäre...«

»Wird uns sehr angenehm sein,« sagte die Gräfin, die froh war, einen Vorwand gefunden zu haben, das Gespräch abzubrechen – »aber, Schatz, Du hast ganz rothe Augen bekommen – geh auf Dein Zimmer und bade sie ein wenig mit Rosenwasser, wir erwarten Dich dann unten.«

Der Besuch mußte empfangen werden, und die arme Paula, das Herz zum Brechen schwer, zog sich auf ihr Zimmer zurück, schob den Riegel hinter sich vor und sank auf das Sopha.

»Kein Mitleid mit den Gefühlen ihres eigenen Kindes,« flüsterte sie dabei – »keine Frage selber danach, ob dieses Herz schon gewählt, schon entschieden haben könnte – nichts, nichts als der leere, hohle Schein, als Stand und Rang und Reichthum – oh, ich bin recht, recht unglücklich!« und still weinend barg sie ihr Antlitz in den Händen.

5.
Paradies und Hölle.

In der Schloßgasse zu Haßburg – denn die alte Stadt, welche in längstvergangenen Zeiten einmal der Sitz eines Erzbischofs gewesen, hatte die verschiedenen Benennungen aus ihrer Glanzperiode noch getreulich aufbewahrt – stand ein nicht sehr großes, aber wunderlich verziertes Gebäude. Es war massiv, aus dunkelgrauem, halbverwittertem Sandstein aufgeführt und mit einer wahren Verschwendung von Steinhauerarbeit bis unter den Giebel hinauf bedeckt.

Was die zahllosen Gruppen, Bilder und Arabesken daran alle bedeuten sollten, wäre wohl schwer zu entziffern gewesen – möglich, daß selbst die Urheber derselben keine rechte Idee davon gehabt. Deutlich erkennbar war aber noch eine ordentliche Legion von dicken, pausbackigen Engeln mit Posaunen und sonstigen Instrumenten, die jeden nur einigermaßen benutzbaren Raum ausfüllten und den obern Theil des Hauses vollständig bedeckten, während zwei sehr durch die Zeit und Sturm und Wetter mißhandelte Riesen, die zwischen Drachenköpfen und Ungeheuerschwänzen ihren Platz behaupteten, das Portal zu tragen schienen.

Und bunt und prächtig genug mußte das Haus ausgesehen haben, als es aus der Hand des Künstlers frisch hervorging. Noch jetzt ließen sich nämlich an einigen geschützten und tiefer liegenden Stellen Spuren von früherer Vergoldung und Malerei erkennen, mit denen besonders die Instrumente der Engel geglänzt und geschimmert haben mochten.