»Frau Gräfin,« rief der alte Mann, und seine ganze Gestalt bebte, »gnädige Frau Gräfin!«
»Ich hätte so gern gehabt, daß Ihr uns auf der Reise begleitetet, Hußmann, aber wenn Ihr denn gar nicht wollt...«
»Frau Gräfin,« sprach der alte Mann mit zitternder Stimme, ergriff ihre Hand und netzte sie mit seinen Thränen, »darf ich denn mit?«
»Also deshalb, Hußmann?« sagte die Gräfin leise und wehmüthig.
»Oh, zürnen Sie mir nicht,« bat der Alte, »meine ganze Seele hing ja an dem Kind, und daß Sie – aber jetzt ist ja Alles gut, Alles gut, und so lange ich nur kriechen kann, weiche ich ja nicht von Ihrer Seite.«
Am nächsten Morgen war ein ganzer Berg von Koffern am Perron des Haßburger Bahnhofs aufgeschichtet, und Hußmann und Jeremias lösten eine Anzahl Billets und gaben das Gepäck dann auf. Sämmtliche Marken daran lauteten aber nach Triest.
Kurz vor Abgang des Zuges trafen die Equipagen der Herrschaften ein, zwei von der Rottack'schen Wohnung, eine vom Schlosse Monford herunter, und die alte Gräfin Monford, die allein in ihrem Wagen gekommen war, eilte auf Rottacks zu, half die Kinder mit herausheben und nahm Helenchen, die sich gar nicht vor ihr fürchtete, auf den Arm. Helene selber nahm Günther an die Hand, und Graf Rottack führte eine dichtverschleierte Dame dem Coupé zu.
Die Haßburger zerbrachen sich den Kopf, wer die Fremde wohl sein könne; aber lange Zeit blieb ihnen nicht dazu übrig, denn eben brauste der Schnellzug heran, und die Reisenden nahmen gleich ihre Plätze ein.
Jeremias stand draußen am offenen Fenster.
»Hurrjeh, Herr Graf,« rief er noch in den Wagen hinein, »ist das nicht beinahe genau so, wie damals in Brasilien, nur daß wir dorten keine Eisenbahn hatten – wissen Sie noch, wie ich Ihnen die Sachen...?« Er schwieg erschrocken still, denn wenn er sich seiner früheren Arbeit auch nicht schämte, machte er doch nicht gern Staat damit.