»Paula!« schrie die Gräfin, aber mehr vermochte sie nicht. Ihr starrer Geist hatte Alles ertragen, Schlag nach Schlag des Schicksals wirkungslos ihr Haupt getroffen, das Glück dieses Augenblicks ertrug es nicht, und ohnmächtig sank sie in Helenens Arme.
Aber die Freude tödtet nicht so leicht. Von ihren Kindern zum Sopha getragen, schlug sie die Augen wieder auf, und wer vermöchte die Seligkeit dieses Wiedersehens zu schildern! Helene weinte und lachte, und beide Töchter, vor der Mutter knieend, hielten sie fest umschlossen und bargen ihr Haupt an ihrem Herzen.
Am nächsten Tage wurde in Schloß Monford gepackt, und der alte Haushofmeister, der wie der Geist einer vergangenen Zeit in dem öden Gebäude umherschlich, schüttelte erstaunt mit dem Kopf, denn so ruhig, ja heiter hatte er die Frau Gräfin seit dem Tage nicht gesehen, wo das Unglück über das edle Haus hereinbrach und Säule nach Säule niederriß.
Was konnte nur mit ihr vorgegangen sein? Gestern Abend hatte sie zu Fuß das Schloß verlassen und war durch den Grafen Rottack in dessen eigener Equipage erst nach zwölf Uhr zurückgebracht – und heute –
»Hußmann,« sagte die Gräfin, die eben aus ihrem Zimmer trat, »seid doch so gut und tragt dieses Paket selber zum Grafen Rottack hinunter; es ist für eine junge Dame bestimmt, die bei ihm wohnt. Mir liegt aber daran, daß Ihr es in deren eigene Hände gebt, es ist werthvoll – habt Ihr mich verstanden?«
»Zu Befehl, gnädige Gräfin.«
»Der Wagen ist angespannt, Ihr fahrt hinunter, ich möchte, daß Ihr bald zurückkämet.«
Der alte Haushofmeister nahm das Paket und fuhr in die Stadt. Aber er blieb länger aus, als er eigentlich zu dem Weg gebraucht hätte, und wie er zurückkam, sah er ordentlich verklärt aus.
»Habt Ihr meinen Auftrag ausgerichtet, Hußmann?« fragte die Gräfin, als er wieder zu ihr in's Zimmer trat.