»Frau Gräfin!« sagte Felix erschreckt. Aber jetzt hielt sich Helene auch nicht länger.

»Mutter, Mutter!« rief sie, und sich neben die Knieende niederwerfend, umschlang sie dieselbe mit ihren Armen und preßte ihr heiße und glühende Küsse auf Kopf und Nacken.

»Und hast Du Erbarmen mit Deiner armen, armen Mutter, Helene? Willst Du mich wenigstens nicht von Dir stoßen?«

»Nie, nie, Mutter! Nie, so lange dieses Herz noch schlägt!«

»Mein Kind – mein liebes Kind!«

»Aber wie ist mir denn,« rief Helene plötzlich, sich ihrer Umarmung entziehend, »stehl' ich denn hier nicht den Mutterkuß einem theuern Haupt? Felix, Felix, bring der Mutter ihre Tochter!«

»Ihre Tochter – welche?« rief die Gräfin, erschreckt emporzuckend.

Aber Helene hatte sie umfaßt, und sie von der Diele zu sich aufziehend, warf sie sich an ihre Brust und rief unter Thränen jubelnd: »Dein Kind – Dein verlorenes Kind!«

»Paula?«

In der Thür stand Felix; aber in seinen Armen hielt er die zusammenbrechende Gestalt Paula's, die, flehend und mit unsagbarem Schmerz in ihrem bleichen Antlitz die zitternden Hände der Mutter entgegenstreckte.