Es ist mit Einem Wort ein frohes, glückliches Völkchen, und wer in ihrer Mitte nicht warm wird und seinen im gewöhnlichen Leben noch ängstlich gepflegten Zopf auf kurze Zeit vergißt, den kann man ruhig aufgeben. Er ist für die Gesellschaft verloren und paßt nur noch für »Gesellschaften«.
Es läßt sich denken, daß auch in der »Hölle« ein munterer Ton herrschte, wie denn auch vor Allem hier die Regel galt, nichts, und wäre es der bitterste Scherz gewesen, übel zu nehmen. Schon über der Thür stand auch auf einer großen, schwarzen Tafel mit dicken, goldenen, altdeutschen Buchstaben der etwas ungelenke Vers:
Wer hier in diese Stuben kombt ein,
Laß allen Ärger und Hader daheim.
Und gerade dieses laisser aller der Gesellschaft hatte manche junge Leute aus Kreisen, die sonst nicht gern ein »bürgerliches Wirthshaus« besuchen, veranlaßt, dann und wann hier vorzusprechen und sich ein Stündlein unter den Künstlern, unter denen sie immer einzelne Bekannte fanden, zu amüsiren. Besonders waren einige Artillerie-Officiere, die selber zeichneten und malten, regelmäßige Besucher der »Hölle« geworden und zogen dann wieder Andere nach.
So hatte sich denn auch am heutigen Abend, während vorn in der Weinstube die steiferen Bürger, Beamten und Professoren saßen, in der »Hölle« ein lustiges Völkchen zusammengefunden, das dem guten Weine des alten Trauvest wacker zusprach. Vom Theater schien aber nur das Schauspiel vertreten, da heute eine Oper gegeben wurde; sonst saß aber eine gemischte Gesellschaft in Uniformen, Sammetröcken und Joppen um den langen Tisch, und das Gespräch hatte sich gerade um einen Wein gedreht, den ihnen Trauvest als Markobrunner vorgesetzt und den ein Hauptmann von Seidlitz für Deidesheimer erklärte, so daß schon eine Wette angeboten und acceptirt war.
»Wo nur Handor heute bleibt?« rief Höfken, der das Fach der Charakterrollen am Theater bekleidete; »der hat die beste Zunge von uns Allen, und seinem Urtheil füge ich mich.«
»Topp, angenommen!« rief der Gegenpart.
»Handor muß etwas auf dem Strich haben,« meinte Berthel, der Heldenvater; »er geht mir schon seit etwa fünf Wochen mit einer Sorgfalt gekleidet...«
»Bah,« rief einer der Maler, »als erster Liebhaber muß er auf seine Toilette halten; er gilt ja bei der ganzen schönen Welt von Haßburg für das Modejournal der Stadt.«