George lachte laut auf. »Und glaubst Du, da wäre es anders?« rief der Bruder. »Da kennst Du unsere Bauern schlecht. Ist es ein »Vierspänniger«, so dürftest Du nur auch wieder den Sohn eines »Vierspännigen« heirathen, und wäre es gar ein »Sechsspänniger«, arme Paula, da hättest Du eine noch schlimmere Etikette durchzumachen. Alle Welt hält den Grundsatz oben: Gleich und Gleich gesellt sich gern.«
»Den Ihr nach Eurer Art verdreht, Du und der Vater,« rief Paula heftig; »ja, Gleich und Gleich gesellt sich gern, aber nicht das Gleich, das Ihr darunter versteht, Gold und Silber und der alberne Rang von Grafen und Baronen, sondern gleiche Herzen, gleiche Gesinnungen, gleiche Seelen, die Euch aber nicht gleich gelten; Herz, Seele, ja, das ist Nebensache, das findet sich außerdem, das sieht man ja auch nicht, das steckt inwendig und kommt deshalb auch nicht in Betracht; aber das Geld, der Rang, ja, freilich, das sind Sachen, die in die Augen stechen, wenigstens der Menge, und auf die muß geachtet, die muß berücksichtigt werden!«
»Jetzt sieh Einer den kleinen Philosophen an,« lachte George, »wer hätte das hinter dem Mädel gesucht!«
»Ach, laß mich zufrieden, Du spottest nur immer über mich!« »Nein, Schatz,« rief George rasch, »das thu' ich nicht; aber sage mir im Ernst, ob Du etwas gegen Hubert einzuwenden hast. Ist er nicht ein braver, tüchtiger Cavalier, und hat er Dich nicht von ganzem Herzen lieb?«
»Nicht halb so lieb, wie seine Pferde und Hunde,« erwiderte Paula bitter.
»Aber, Herzensmädchen, wie ungerecht Du jetzt bist,« rief George; »Hubert ist ein seelensguter Mensch, ein bischen jähzornig, ja, und daß er ein leidenschaftlicher Jäger und Reiter ist, wirst Du ihm doch wahrlich nicht zum Vorwurf machen wollen, wo Dein Vater und Bruder dieselben Leidenschaften theilen.«
»Aber deshalb soll ich ihn doch nicht etwa lieben? Er mag ja reiten und schießen, so viel er will, ich wahrlich werde ihn nicht daran verhindern. Aber weshalb muß er mich aussuchen, mich unglücklich machen wollen vor allen Anderen?«
»Unglücklich, Paula?«
»Ja, unglücklich,« sagte das arme Mädchen, indem ihm die hellen Thränen in die Augen traten; »ich will nichts von ihm wissen, ich will nicht heirathen, am wenigsten Deinen Hubert, sag' ihm das!«
»Du bist ein Kind, Herz,« lachte George über den fast kindischen Trotz der Schwester, »und kennst Hubert eigentlich noch nicht einmal genau. Lerne ihn erst kennen, Schatz, und wenn Du dann wirklich eine nicht zu besiegende Abneigung gegen ihn hast, dann will ich selber dem Vater zuzureden suchen, daß er Dich frei giebt.«