Der junge Graf öffnete die Thür – »Können Sie mir vielleicht sagen...«

»Ja wohl – bitte, treten Sie näher,« schrie ihn eine kleine, schmächtige Gestalt an, die in einem mock-türkischen, aber entsetzlich schmutzigen Schlafrock, mit einer langen Pfeife, aus der sie keinen Kanaster rauchte, und in rothen Schlapp-Pantoffeln im Zimmer spazieren ging – »treten Sie nur näher.«

»Sie entschuldigen,« sagte Felix, der die Überzeugung hatte, daß Fräulein Bassini hier nicht wohnen könne.

»Alles in Ordnung, bitte, kommen Sie nur herein, ich kann den verdammten Zug nicht vertragen!« schrie der Türke.

Rottack hätte am liebsten die Thür gleich wieder zugemacht und die andere versucht, welche jedenfalls die richtige war, aber sein Zartgefühl ließ ihn keine Unart begehen – er mochte den Mann nicht beleidigen und war auch wirklich neugierig geworden, einen Blick in das Heiligthum dieses merkwürdigen Menschen zu werfen, aus dem er von da draußen doch nicht klug werden konnte.

Jeremias folgte willenlos, wie ein Opfer, das man zur Schlachtbank führt und das sich in sein Geschick ergeben hat.

»So, das ist recht,« schrie der kleine Mann jetzt wieder, indem er seine Pfeifenspitze gegen sie schwenkte; »ich habe schon den ganzen Morgen auf Sie gewartet, es ist Alles bereit – hier,« fuhr er fort, indem er einen riesigen, fast die halbe Wand einnehmenden Kleiderschrank aufriß und dabei eine etwas sehr getragene Harlequinsjacke und irgend ein anderes phantastisches Maskencostüm hervorzog, das einen furchtbaren Kamphergeruch im Zimmer verbreitete – »die werden ihnen wie angegossen sitzen, fast noch ganz neu, nur höchstens ein- oder zweimal getragen – Graf Ruchofski hatte den Harlequin auf der letzten Maskerade.«

»Aber, mein sehr werther Herr,« lächelte Rottack, der mit dem besten Willen jetzt erst zu Worte kam, »ich zweifle gar nicht an der Güte Ihrer Anzüge, aber...«

»Na, dann stecken Sie sie weg,« sagte der kleine Türke gemüthlich, aber mit einer so lauten Stimme, als ob er über einen Fluß hinüberschriee, indem er die beiden außerdem schon mehr als zerknitterten Gegenstände in ein ziemlich compactes Bündel zusammenrollte, »können sie ja gleich selber mitnehmen, ich habe Niemanden zum Schicken.«

»Wohnt Fräulein Bassini hier in dieser Etage?« fragte jetzt Rottack, der wohl sah, daß er auf keine andere Weise zum Ziele kam.