»Zu wem wollen Sie denn?« fragte in diesem Augenblick eine Art von »Aufwartung«, ein Mittelding zwischen Scheuerfrau und Mädchen für Alles, die gerade von der Arbeit weg aus einer kleinen, dunkeln Küche vortauchte.
»Zu Fräulein Bassini,« sagte Rottack – »wir sind doch hier recht?«
»Ja, recht ist's schon, aber das Fräule ist noch nicht angezogen.«
»Ist sie krank?«
»Ne, aber wenn sie keine Probe hat, da pressirt's immer nich, und nachens schreit se, wenn Jemand kommt. Wer sind Sie denn und was wollen Sie?«
Die Frage war zu direct gestellt, um ein Mißverstehen möglich zu machen, und da Jeremias den jungen Grafen am Rock zupfte, weil er seinen Namen nicht genannt habe wollte, so erwiderte dieser:
»Bitte, sagen Sie doch dem Fräulein, Graf Rottack wäre hier, um sich Auskunft in einer Familienangelegenheit zu erbitten – hier, seien Sie so gut und geben Sie der Dame meine Karte. Ich lasse fragen, um welche Zeit ich etwa wieder vorsprechen dürfte, da uns die Dame jetzt doch wahrscheinlich nicht empfangen wird.«
»Hm,« brummte die Alte, welche nicht die Hälfte von dem verstanden hatte, was ihr der junge Mann sagte, »warten Sie einmal einen Augenblick, ich werde dem Fräule das Ding da hineintragen.«
Damit machte sie ihnen die Thür vor der Nase zu und ließ die beiden Herren auf dem Vorplatz stehen. Es dauerte aber nur ganz kurze Zeit, so kam sie wieder zurück, öffnete die Thür und sagte: »Sie möchten nur hereintreten, das Fräule kommt gleich,« und mit dem Bewußtsein wahrscheinlich, Alles gethan zu haben, was sie anging, verschwand sie wieder in ihrer Küche, in der sie im Halbdunkel wie ein unheimliches Gespenst herumwirthschaftete.
Rottack und Jeremias hatten aber kaum, der Einladung folgend, das Zimmer betreten, als sich die Kammerthür ein wenig öffnete und eine Stimme herausrief: »Dürfte ich den Herrn Grafen ersuchen, einen Augenblick Platz zu nehmen – ich komme gleich!« und die Kammerthür flog wieder zu.