»Da wären wir,« lachte Rottack, indem er Jeremias die Hand auf die Schulter legte. »Wie ist Ihnen jetzt zu Muthe?«
»Hundeschlecht,« versicherte der kleine Mann flüsternd – »aber das sieht hier ganz nett aus. Gott sei Dank, da ist es ihr doch nicht so schlecht ergangen – ich wollte, es wäre erst vorbei!«
Dieses Zimmer hier sah allerdings anders aus, wie das gegenüberliegende, und es ließ sich nicht verkennen, daß hier eine Frau ihren Wohnsitz aufgeschlagen. Große Ordnung herrschte aber hier eben so wenig wie dort, denn fast auf allen Stühlen lagen verschiedene Toilettengegenstände, während auf dem Tisch, neben dem eben erst verlassenen Kaffeegeschirr und einer Tabaksdose, ein paar Spiele Karten zu einer noch nicht vollendeten Patience geordnet waren.
Dennoch zeigten sich die Spuren sorgender Frauenhand. Überall war ordentlich abgewischt und auf dem Tisch lag eine ziemlich weißgewaschene, gehäkelte Decke. Auch die Vorhänge sahen, wenn auch ziemlich dürftig, doch rein aus, und an der Wand hingen ein paar Abbildungen in Steindruck aus der biblischen Geschichte, wie die schauerliche Caricatur einer Maria Magdalena in Öl gemalt.
Selbst die Commode war nicht ohne Schmuck und bildete eine Art von Nipptisch, auf dem eine Anzahl bescheidener Porzellanfiguren standen, mit einigen kleinen Statuetten alter, eingetrockneter Chocolade, die vielleicht im vorigen oder vorvorigen Jahre einen Christbaum geziert. Auch eine bildliche Darstellung der heiligen drei Könige in Wachs und in einem Glaskästchen, wie sie das Kind an der Krippe besuchen, stand in der Mitte, und rechts und links davon ein Glasleuchter mit halb abgebrannten Stearinkerzen.
»Hurrjeh,« flüsterte Jeremias, der indessen auf den Fußspitzen im Zimmer umhergegangen war, um den status quo zu untersuchen, indem er mit zwei Fingern eine Partie brennend rother falscher Locken emporhob – »ob das wohl ein Stück von meiner Frau ist?«
Felix mußte wirklich an sich halten, um nicht gerade heraus zu lachen, und an Jeremias hinantretend, sagte er leise:
»Das wäre ein unverkennbares Zeichen von Sympathie, denn so viel ich mich erinnere, trugen Sie früher eine eben solche Perrücke.«
»Ja, aber – wie ist mir denn,« sagte Jeremias ganz verdutzt, »das – das ist doch ganz unmöglich – meine Frau hatte braune Haare!«
»Sie haben sich doch nicht etwa im Namen geirrt? Das wäre ein schöner Spaß!« lachte Felix.