»Gott bewahre – Alles trifft...«

»Auch der Vorname?«

»Ja, den habe ich noch gar nicht erfahren können, denn auf dem Zettel steht er nicht mit, aber es ist ja auch gar nicht möglich! es stimmt Alles wie eine Kirchenrechnung, und ich bin ja von Regensburg aus ihrer Spur bis hierher gefolgt.«

»Dann hilft es nichts, dann müssen wir's abwarten. Da sind wir überdies einmal und können jetzt gar nicht wieder fort, ohne vorher die Dame gesprochen zu haben. Sie macht übrigens lange mit ihrer Toilette.«

»Ich muß unterthänigst um Entschuldigung bitten!« sagte in diesem Augenblick eine Stimme hinter ihnen, und als sich Beide ordentlich erschreckt umwandten, stand die Dame in dem orangefarbenen Morgenkleide, die Haare jedoch ihrer Papilloten entledigt, auf der Schwelle und fuhr mit einem tiefen Knix fort: »Sie haben mich noch im vollen Negligé überrascht, Herr Graf.«

Jeremias hatte wieder, wie ein Versinkender, der nach Allem greift, was ihm in den Weg kommt, Rottack's Rockzipfel erwischt und flüsterte ihm mit angstgepreßter Stimme zu: »Das ist sie nicht!«

Rottack gerieth in die größte Verlegenheit, denn die Dame mußte fast die Worte verstanden haben, und was nun? – »Gnädiges Fräulein!« sagte er stotternd.

»Oh, bitte – aber wollen die Herren nicht Platz nehmen?« unterbrach ihn, wieder mit einem Knix, der dieses Mal jedenfalls dem »gnädigen« galt, die Dame – »es ist nur bei mir noch nicht aufgeräumt. Wir Künstler sind eigentlich recht nachlässiges Volk.«

»Gnädiges Fräulein,« nahm aber Rottack noch einmal das Wort, »gestatten Sie uns vielmehr, uns zu entschuldigen, daß wir Sie so unberufen gestört haben – eine ganz eigene Angelegenheit führt uns hierher, über die Sie vielleicht allein im Stande sind, uns Auskunft zu geben.«

»Aber wollen die Herren denn nicht Platz nehmen? Ich bitte sehr darum!«